Ryuoen Uji-saikokyu Shincha

Uji-saikokyu Shincha (Uji, Kyoto)
Menge: 50g
Shincha: Frühjahr 2013

allgemeines

Seit 1875 hat sich der Teeallrounder „Ryuoen“ in Kyoto, nahe dem ehemaligen Kaiserpalast Gosho etabliert. Dabei ist er in dieser Zunft eher ein Neuling, wo viele Betriebe, die sich in unmittelbarer Nähe des kleinen wunderschön traditionellen Geschäftslokal befinden, über hunderte von Jahre an gewerblicher Geschichte aufweisen können. Was Ryuoen aber so einzigartig macht, ist wie schon zu anfangs erwähnt der „Allrounder-Status“. Denn dieser feine, aber kleine Shop ist nur ein Bruchteil von dem, was hinter dem Ganzen steckt.Camera2-2013-07-25-10-14-52Dieser geschichtsträchtige Betrieb, hat seine eigenen Felder und Kühlhäuser in Uji und übernimmt im Teeprozess jeden Schritt selbst. Vom aufziehen der Pflanzen, zum Ernten, bis hin zum Verarbeiten, weiter zum Veredeln und schlussendlich zum Verkauf, geht alles auf das Konto von Ryuoen. Nun kam ichCamera2-2013-07-19-09-36-51zum ersten Mal, dank einem Foren-Kollegen der in Japan lebt, zu diesem besonderen Vergnügen zwei Shincha von Ryuoen zu testen und dies ist der Erste davon.

trockenes

Bei diesem wahrhaft atemberaubenden Anblick der trockenen dunkelgrünen Blättern, verspürt man merklich, dass hinter diesem Betrieb eine lange Geschichte steckt. Und diese Geschichte präsentiert sich in einer Form von Hingabe, sei sie bewusst oder einfach nur, weil alles von Grund auf stimmig ist,Camera2-2013-07-19-09-32-16aber sie ist vorhanden. Unheimlich süß bezirzt dieses dicke und kräftige Bouquet. Dieses gezielte Aroma setzt mit seinem Hauch an Schokolade und fruchtigen Lutschbonbons seinen Auftakt perfekt in Szene und wartet förmlich nur darauf von uns verköstigt zu werden.

feuchtes

Von seinem trockenen Zustand erlöst, wiegt sich nun das dampfende Blatt in einer Woge aus satten Edamame in seiner vollsten Entfaltung. Eine starke säuerliche Präsenz steigt mit diesem deftigen Aroma hoch und legt sich wie unsichtbares Geäst um einen herum. Dabei fasziniert aber am Meisten das Blattwerk selbst. Diese auffallend großen Blätter könnten auf per Hand gerolltes Camera2-2013-07-19-10-39-46Werk hindeuten, zeigen dabei keine Stängel auf und nur wenig Geäst. Aber das bemerkenswerte an diesen Blättern ist ihre Form. Viele dieser sind an den Rändern gezackt, also besitzen Stufen, also keine glatten Konturen wie normal üblich. Dies kann man bei genauer Betrachtung auf dem Foto erkennen. Diese Besonderheit konnte ich bisher noch bei keinem anderen japanischen Tee ausmachen.

Erster

Empfohlen laut Ryuoen:  80° / 10g auf 200ml / keine Angabe
ZeroZen Variante:           70° / 18g bei 450ml / auf 70 Sekunden

Sehr grazil geschmackvoll eröffnet dieser edle Tropfen leicht und beschwingt, das Bankett der heutigen Teesitzung. Dabei offenbart sich uns eine wunderschön anzusehende klare hellkristallgrüne Tasse, dessen feiner dampfender Hauch einem umgarnt. Eine klare dezente süße Note gleitet dabei über den eigenen Gaumen, hinterlässt aber sogleich einen klaren leichten Bitterton von Weintraubenkernen, gezielt auf einen grünen Charakter hinweisend. Bevor der Gastgeber das Bankett mit einem wahrlich reichhaltigen Festmahl eröffnet, fällt der Blick unweigerlich auf den Boden der kristallschimmernden Tassen. Denn Camera2-2013-07-19-09-48-55dieser Anblick hat etwas Künstlerisches an sich, da selbst die feinen wenigen Blätter die sich am Grund abzeichnen, wie gewollt, bewusst platziert und gezielt ausgewählt erscheinen. Fast schon in diesem Atlantis in Miniatur versunken, eröffnet der erste Schluck der unsere Lippen benetzt einen Auftakt, dem es an Überschwänglichkeit kaum zu überbieten vermag. Jeder Teller, jedes Gericht wird quer über den Tisch, von einem zum nächsten gereicht, dabei gebietet einem dieser Ansturm an Nuancen kaum an Pause. Von Links reicht Camera2-2013-07-19-10-44-38man uns stark dampfende satte Esskastanien, von vorne streckt man uns einen schmackhaften Blattsalat entgegen, überreicht uns hierzu wieder gekochte Kartoffeln in Butter samt Schale. Dabei schwingt eine fein säuerliche Note, mit einer Brise Salz im Raum vor unserem Gaumen hin und her und tanzt dabei ein freudiges Spiel, mit einem leichten Ansatz von Süße in Form von fruchtigen Lutschbonbons und einem Krug gefüllt mit „Alpro Sojamilch Kakao“.

Zweiter

Empfohlen laut Ryuoen:                       keine Angabe
ZeroZen Variante:            77° / 18g bei 450ml / auf 30 Sekunden

Noch satt bis über den Rand und mit kaum mehr einen Gedanken beseelt etwas Nahrhaftes zu sich nehmen zu können, findet dieses Festmahl keinen Abbruch. Im zweiten Auftakt kredenzt man uns noch einen Fülle an Obst. Dabei führt uns eine Hand zu einem Teller mit feinsten Weintrauben, die wir schon aus dem ersten Auftakt beim deftigen Mal, als Zwischenkost genießen durften. Hierzu Camera2-2013-07-19-10-50-32gesellt sich erstmals ein leichter Unterton von richtig reifen, fast schon überreifen Pflaumen. Doch der Hauptakteur dieser zweiten Show bzw. die Hauptakteure sind hierbei die exotische Nashibirne und die nicht weniger exotische Grapefruit. Somit findet auch dieser reichhaltige Akt der Sinne, mit diesen letzten Nuancen sein wohlverdientes vorläufiges Ende.

Fazit

In erster Linie muss ich sagen, dass ich mich sehr geehrt fülle die Chance bekommen zu haben diesen Ryuoen zu ergattern. Das ist in Europa gar nicht mal so ein leichtes Unterfangen. Dieser Shincha stellt wahrhaft schon etwas Besonderes dar, ein Gedicht der Sinne, könnte man fast sagen. Einzig und Allein muss man nur wissen „Wie“. Mit wie ist die Zubereitung gemeint, denn da kann vieles in die Hose gehen. Wichtig ist „Hochdosieren, wird Geschmack garantieren“. Auf jeden Fall ist er kein Dauerläufer und liegt nach gut zwei Aufgüssen, unabhängig der Menge an Blattwerk, erschöpft am Boden. Dieser Sencha bietet aber für alle Geschmacksnerven die notwendigen anreize. Wer die Gelegenheit bekommt, sollte auf jeden Fall einen Versuch wagen, denn die Herrschaften von Ryuoen sind nicht umsonst schon so lange im Geschäft.

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2 Gedanken zu „Ryuoen Uji-saikokyu Shincha

    • Ist auch klar, denn bei so einer geringen Wassermenge und Spielraum, kann der Tee sich auf wenig Umfang viel mehr auswirken, da sein Wirkungsradius viel kleiner ist und daher mehr aus dem Blatt heraus zu holen ist. Hab dies nun selber getestet mit dem Hohin-Set. Dieses Umfasst auch kaum mehr als 150ml und hier konnte ich auch 5 Aufgüsse tätigen. Aber dieser Sencha wurde mit meiner 450 ml Kyusu getestet und bei solch einer Menge muss man schon Unmengen an Blattwerk beisteuern, um wirklich noch 4-5 Aufgüsse hinzubekommen. Daher ist dieser Sencha auch eher für Kannen geeignet die einen kleinen Spielraum haben, also 150-200 sind ideal.

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