Gyokuro Shuppin

Gyokuro Shuppin (Hoshino, Fukuoka)
Menge: 25g

allgemeines

Wenn man etwas so hochwertiges vor Augen hat, ist ein Einstieg nie wirklich leicht, da man automatisch von vornherein mit wahrlich hohen Ansprüchen an die Sache herangeht. Und dieser Gyokuro verspricht so einiges. Dieser feine Tropfen erreichte im Vorjahr den Rang eines Finalisten „Nyusho“. Dabei kommt alljährlich ein Gremium an Tee-Juroren zusammen. Diese haben die Aufgabe die eingereichten Sorten von ca. 120 Tee-Farmern, die zu diesem Wettbewerb „Zenkoku Cha Himpyo Kai“ eingereicht wurden, genauestens unter die Lupe zu nehmen. Dabei fällt die Wertung jeweils danach aus, wie es um das Aussehen der Teeblätter bestimmt ist, wie die Farbe des Aufgusses sich in Szene setzt, wie sich das Aroma entfaltet und schlussendlich wie sich der Geschmack präsentiert. Die Besten erhalten einen Preis, wodurch diese Sorten stark an Popularität erlangen, schwer zu bekommen sind und falls, dann nur in kleinen Mengen und recht teuer.
Camera2-2013-07-26-11-24-37Leider sagt nicht immer ein Preisgewinner etwas über die Qualität eines Tees aus. Denn nicht selten werden die besonderen Nuancen in diesen Kompositionen erst durch den Einsatz von meist chemischen Dünger erzielt. Der Gyokuro Shuppin kommt ebenfalls in einer kompakten Packung daher und zeigt nur wenig Bein, Ob dieser kurze Hauch von nackter grüner Haut ausreicht, um diesen grünen Gewinner einschlägig zu testen, lest ihr nun.

trockenes

Dieser Gyokuro spürt merklich, welche hohen Ansprüche man in ihn setzt und lässt mit einer gebührlichen Antwort nicht lange auf sich warten. Im Grunde hat man kaum Zeit einmal tief einzuatmen bevor einem diese Woge an Nuancen förmlich überrollt. Ein sehr süßes Bouquet macht sich sofort bemerkbar und breitet sich gemächlich um einen herum aus. Frisch, mit kaum einem grünen Charakter versehen, umschmeichelt der unsichtbare Genuss in jeglicher denkbaren Hinsicht. Dabei lässt dieses kleine Fest schon erahnen, wieCamera2-2013-07-26-10-00-02bekömmlich erst der Hauptgang werden wird. Klar und dennoch verspielt lässt sich das Aroma definieren. Da finden sich klare Pfirsich-Nuancen direkt neben deftigen süßen eingelegten Kirschen wieder, gebettet auf einem frischen blumigen Bouquet. Darüber, wie feinster Feenstaub verstreut, zieht sich jedes kleinste Korn, in Form von Kamille, in die noch so entlegensten Ecken und Windungen dieser saftigen langen kunstvoll geformten dunkelgrünen Nadeln. Dabei macht sich viel Kleinwerk bemerkbar, welches wie Eisenstaub auf einem Magnet haften bleibt.

feuchtes

Und so magnetisch der trockene Anteil dieses feinen Tropfens sich in Szene setzte, genauso stark in seiner Anziehungskraft setzt dieser Trunk seinen Eroberungsfeldzug fort. Dabei macht dieser Gyokuro keine halben Sachen und weicht kein einziges mal von seiner unheimlich starken Präsenz ab. Diese, als starke Adstringenz zu beschreibende säuerliche Nuance bringt jeglichen Geschmacksnerv fast zum überkochen. Es schürt das Feuer mit solch einer energischen Präzision, dass sie einem genau dort trifft, wo es treffen soll. Dabei treibt jeder weitere Atemzug, mit dem man dieses köstliche Bouquet in sich aufnimmt, einem immer mehr und mehr das Wasser im Munde zusammen. Sehr dick, dicht kräftig und satt kommt diese Umami-Bombe ohne Vorwarnung und mit ganzem Einsatz daher. Hierbei Stagniert nur eines und zwar dieCamera2-2013-07-31-14-10-50(2)eigene Fassungslosigkeit. Überrannt von all dem Geschehen lassen sich eine Vielzahl an Geschmacksnuancen erkennen. Dabei präsentiert sich eine Palette aus Kohl angerichtet mit feinen Radieschenscheiben, auf Fisolen und Avocadosalat. Auf dem Nebenteller wiegt sich in feinster zerronnener Butter ein süßer dampfender Maiskolben in seinem kleinen Mikrokosmos und teilt sich einen Teil seines Reichs mit nicht weniger saftigen Erbsenschoten, die in einer leicht nussigen, mit Sojasoße vermengten Soße ihr verdientes Bad nehmen. Den tragenden Süßanteil in dieser Runde übernimmt ein kleines Gedicht aus tief süßen eingelegten Pfirsichen.

Erster

Empfohlen laut Verpackung:  60° / 20g auf 150ml / auf 120 Sekunden
ZeroZen Variante:                  60° /   6g auf 150ml / auf 120 Sekunden

Ein nie dargebotener Geschmack breitet sich in Windeseile über alle erdenklichen Bahnen aus und lässt dabei nicht einmal das kleinste Eck an Geschmacksnerven aus, das unser Körper zu bieten hat. „Ich bin ein Shuppin!“ und das scheint dieser Gyokuro wahrlich mit Stolz erhobener Brust in die Welt hinaus zu schreien und dabei kann man ihm nicht widersprechen. Dieses Feuerwerk an Geschmackswahnsinn, lässt einem kaum mehr Luft zum amten. Ein so gehaltvolles Gleichgewicht in Allem, ist selten anzutreffen und es klingt fast schon absurd, wenn man das Wort „Gleichgewicht“ benutzt, in Anbetracht diesen Irrsinns. Hier bleibt alles unter Kontrolle und gerät im selben Moment komplett außer Kontrolle. Nussige Nuancen stürmen mit blumigen feinen Zügen das Feld, ein intensives Umami führt mit geschwellter Brust dieses Patalion an, teilt sich dabei sein Regiment mit einer so sonderlichen, dichten und starken Adstringenz, dass man sich kaum mehr im Klaren ist, wer hier was oder wen anführt.Camera2-2013-07-31-13-26-54Dieses dicht säuerliche Bouquet gelangt mit seinem starken Trupp an dampfenden Spargeln, Erbsenschoten heiß und deftig, Brokkoli in kochenden Schwaden umhangen immer tiefer in unser Geschmacksempfinden und ist sich seiner Eroberung bei jedem getanen Schluckes sicher. Wie eine dichte eingeschworene Gruppe treibt diese satte Gemüsebrühe alle anderen Nuancen zu einer großen Arme zusammen, die nur ein Ziel hat, den Sieg über die eigene anfängliche Skepsis. Wie Geister aus längst vergangenen Tagen, zieht diese magische, fast schon hellweißgelbliche Tasse einen immer weiter, immer tiefer in dieses Geschmacksfeuerwerk hinein. Dabei umgarnt ein nussiger weintraubenkerniger Nachklang gepaart mit Walnüssen die Sinnesorgane. Wieder schmiegt sich ein feines saftiges delikates Fischgericht, zwischen all diesem vorzüglichen Chaos heran und weiß dabei voll und ganz, was es mit uns vorhat.

Camera2-2013-07-31-12-52-52Doch der Drahtzieher und der eigentliche Hauptcharakter in diesem Spiel ist ein ganz Anderer. Zwischen all den Facetten, fast unsichtbar, schlängelt sich ein deftiger Charakter durch all dies Gewirr und weiß sich geschickt zu verbergen, aber voll und ganz aufzutrumpfen. Fein serviert auf einem Meer aus saftigen altbäuerlichen Schwarzbrot, dominiert erhaben eine feine Mischung, aus feinst bestrichenem Brie mit Camembert und Gauda.

Zweiter

Empfohlen laut Verpackung:  60° / 20g auf 150ml / auf 30 Sekunden
ZeroZen Variante:                  60° /   6g auf 150ml / auf 30 Sekunden

Die Jungspunde wurden nun vom Feld abgezogen und mit einem Mal erreicht dieses Geschehen an tiefer Reife, die sich über Allem noch dichter und intensiver ausdehnt. Dabei entdeckt man erstmals viele Gewürze, die im ersten Akt noch im verborgenen Dickicht versteckt waren. Fein frisch und delikat präsentieren sich hierbei Petersilie, Schnittlauch und Kresse in ganzer Pracht und verleihen der Szenerie die gewisse Würze im Spiel. Als hätte er sich verirrt, macht sich ein leichter Hang einer Esskastanie zum ersten Mal bemerkbar, überlässt aber geschlagen und in der Unterzahl, gekochten Karotten, saftigen Paprika in rot und gelb das Feld. Fein abgeschmeckt mit Salz, hinterlässt dieses Bild einen HauchCamera2-2013-07-31-13-43-31von Meeresluft, den Geschmack des Ozeans. Wer sich strikt weigerte das geisterhaft helle Feld zu räumen und sogar in diesem Auftakt noch mehr den Hauptplatz beanspruchte, sind weiterhin der nun wahrlich nicht mehr abstreitbare Fischgericht-Charakter und die Brie-Camembert-Gauda Fraktion auf Brot. Hier und dar gesellen sich sehr dezente Weintrauben und ein zarter Hauch von Kamille unter all das Geschehen, aber bleiben weitestgehend im Hintergrund verhangen.Camera2-2013-07-31-12-53-24Saugt man einen Schluck dieses grünen Wunders auf, ist die darauffolgende Reaktion einfach einzigartig. Hier findet ein wunderbares und sogleich sonderbares Wechselspiel statt, das sich durch die eingezogene Luft und dem Aroma des Gyokuro mit jedem Schluck den man zu sich nimmt ergibt. Dabei trifft einem, wie ein schneller unabsehbarer Kuss, die Süße wie ein Blitz, aber wechselt fast zeitgleich das Feld und übergibt einem sehr deftigen Charakter mit starker Adstringenz das Ruder, dessen Ruf unweigerlich nicht zu überhören ist „Und jetzt wird es deftig!“. Und mit diesem Satz geht zwar ein langer Tag der wundersamsten Nuancen zu Ende, aber der Nachklang dieses feinen grünen Tropfens hallt noch lange in jede Windung der eigenen Geschmacksnerven nach. 

Fazit

Was soll ich noch sagen, was nicht schon längst gesagt wurde. Dieser Gyokuro, ist zum Vergleich mit dem Hoshino der letzten Stunde, nicht nur ein würdiger Gegner, sondern vielmehr ein Vernichtender und obsiegt dabei wahrlich in jeglicher Hinsicht. Dieses Feuerwerk lässt sich kaum in Worte fassen, auch wenn dies fast schon Amüsant klingen mag, in Anbetracht der Fülle an vorher verfasster Worte. Man muss diesen wahrlich kostbaren und mit Recht preisgekrönten Gyokuro einfach selbst gekostet haben, um die wundervollen Ausmaße wahrhaftig verstehen zu können, die diesen grünen Wunderknaben so einzigartig erstrahlen lassen. Es ist wirklich schwierig diesem Shuppin einen Preiswert aufzuerlegen, da in Anbetracht der Tatsachen ein etwas höherer Preis schon verständlich ist. Aber im Schnitt mit 45€ auf gerade einmal 25g, ist mir dieser kostbare Tropfen schlichtweg zu teuer. Ich denke nicht, dass ich ihn mir selbst kaufen würde, aber wie auch dieses Mal, würde ich mich auch ein erneutes Mal, sehr darüber freuen, wenn ich ihn geschenkt bekommen würde. Wenn jemand einem wirklichen Teeliebhaber eine wahrhaftige Freude bereiten möchte, ist dieser Gyokuro genau das richtige Präsent.

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