Sencha Oku Midori Best Friend

Sencha Oku Midori Best Friend (Matsuno, Shizuoka,)
Menge: 100g
Gekauft: Cha no Ma

allgemeines

In der letzten Woche präsentierte ich euch den ersten aus vier Teeveredelungen dieses Sortiments von Kyoko aus Shizuoka. Aber mit dem „My Bancha“ ging die Talfahrt so weit bergab, dass der Gipfel fernab jeglicher Sicht schien. Gute Freunde müssen sich erst beweisen und beste Freunde erst recht, doch zum Glück war dieser gute alte Bekannte, eben kein Fremder mehr und besuchteCamera2-2013-08-15-13-15-21mich schon vor Monaten mit einer satten dampfenden Schale grüner Glückseligkeit. Dieser „Oku Midori“, was passend soviel bedeutet wie „tiefes Grün“, verdankt seiner Veredelung der Firma „Clean Tea Matsuno“, die sich einzig und allein der Qualität und dem biologischen Anbau verpflichtet haben. Ob dieser „Best Friend“ es auch schafft in eure grüne Freundesliste aufgenommen zu werden, wird sich hoffentlich bald zeigen. 

trockenes

Hier rieselt es fast wie Sand durch ein in Herbsttönen verhangenes Wetter. Zwar finden sich keine rotbraun Töne in diesem Meer aus feinstem Blattgut, aber schon die ersten Aromen verlangen direkt nach einem Wetterumschwung. Somit sind wir auch schon beim optischen Aspekt angekommen, denn dieser ist wahrlich ein seltener Anblick, besonders wenn man sich genau im Klaren ist, einem Sencha gegenüber zu sitzen. Fast erreicht es den Anschein, dass sich einige feine dunkelgrün gerollte Nadeln in einem „Konacha“ verirrt hätten. Dieser zeichnet sich durch ein pures fein flockiges Battwerk aus, was diesem Sencha hier sehr nahe kommt. Diese wenigen Nadeln wirken fast schon verloren in Anbetracht der Übermacht an Staub und Krümelwerk. Doch auch wenn man am Liebsten alle Nadeln zusammenführen möchte, damit sie nicht so einsam in der Landschaft verweilen, brauchen diese in keinster Weise Mitleid, denn das Aroma, das sich sofort in alle Windungen der eigenenCamera2-2013-08-15-13-24-00 (5)Geschmacksknospen schmiegt, sagt einen wahrlich bombastischen Auftakt an süßer Freude voraus. Dieser bleibt aber am Ende nur in dieser Rubrik so vehement stark verankert, da er ganz andere Pläne für unseren Gaumen hat. Doch verlangt auch dieser Abschnitt vollste Aufmerksamkeit, da diese all dominierende Süße, einfach ein wahrer Nuancen-Höchstgenuss ist. Dieses liebliche Bouquet entspringt aber keiner natürlichen Süße, sondern spinnt seine Fäden viel lieber in einem Süßwarenladen und nimmt sich dort nur das Beste vom Besten zu Gemüte, um unsere Sinne zu betören. Dabei verschmelzen bunte Lutschbonbons mit duftenden Fruchtgummis bis hin zu einem Fruchtjoghurt bzw. Schoko-Joghurt-Riegel alla „Balisto“, zu einem einmaligen Gesamtkonzept.

feuchtes

Ungeachtet der ersten Geruchsempfindungen, lässt die Optik dieses dampfenden Grüns, einem einfach nur mit offenen Munde stehen. Doch weder Pracht, noch Anmut sind hier die treibenden Schlagworte, sondern „Matsch“, denn nun sind die verwaisten Nadeln gänzlich im Schlamm versunken. Direkt fühlt man sich in Mitten eines dichten, schwer durchkämmbaren Moors wieder oder einer von feuchtem nassen Moos und Matsch bedeckten Landschaft. Fast versunken undCamera2-2013-08-15-14-26-25stecken geblieben, reißt zum Glück in letzter Sekunde eine deftige Süße aus gerösteten Nüssen und heißen dampfenden Esskastanien einem aus dieser Situation heraus, die sich geschmeidig in einer leichten Adstringenz wiegen. Hier wird unser Geschmacksempfinden, jede feinste Knospe, schon im dampfenden Vorfeld gekonnt angeregt. Zwischen den herb-süßen Fraktionen, verteilen sich am Ende noch dezente Nuancen klarer Süße in Form von Nashibirnen und einer Zuckermelone.

Erster

Empfohlen laut Verpackung:  80° / 5g auf 450ml / auf 30 Sekunden
ZeroZen Variante:                  80° / 5g auf 380ml / auf 30 Sekunden

In diesem ersten Hauptgang wird die VIP-Liste deutlich bestimmt und lässt jeglichen Zweifel außen vor, dass hier irgend etwas dem Zufall überlassen wurde. Jede Nuance, jeder Geschmack und jedes noch so kleinste Bouquet sitzt, wo es zu sitzen hat. Hier hat der Platzanweiser seinen Job perfekt ausgeführt. Zielgesteuert setzt sich in Reih und Glied im ersten Rang ein massiv durchzogener nussiger Charakter auf seinen Platz, daneben gesellt sich inCamera2-2013-08-15-13-56-53direktem Anschluss ein so deftiges, intensiv delikates Umami-Bouquet, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Direkt in zweiter Reihe, mit direktem Zugang auf unsere Geschmacksempfindungen nimmt ein Esskastanien Aroma, mit seiner Anhängerschaft in Form der Weintraubenkerne seine Sitze ein. Gefolgt in dritter Reihe platzieren sich eine Nashibirne, neben leichter Mandarinen, einem Hang von Tatami-Matten-Flair und einer perfekten Mischung aus Wassermelone und Zuckermelone. Und Mischung trifft es genau,Camera2-2013-08-15-14-15-07denn diese ist hier der besondere Aspekt. Auch wenn die meisten Nuancen nichts Neues darstellen, gelingt es gerade durch diese Ausgewogenheit den noch so kleinsten Aspekt perfekt in Szene zu setzen. Selbst nach dem der Saal in die erste Pause geht, bleibt der wunderbare Nachklang delikater Nüsse und Weintraubenkerne, satt, dicht und geschmeidig, noch lange zurück.

Zweiter

Empfohlen laut Verpackung:  80° / 5g auf 450ml / auf 5 Sekunden
ZeroZen Variante:                  75° / 5g auf 380ml /       Sofort

Als hätten die Ehrengäste dieses Abends nochmals intensiv am Aromapegel gedreht, präsentieren sich diese nun im zweiten Akt in voller Größe und Ausmaße. Besonders die Esskastanien konnten die zweite Reihung nicht mehr auf sich sitzen lassen und platzieren sich nun dominant in die erste Reihe. Besonders die grünen Farbnuancen des Interior dieser Vorstellung lassen nun noch tiefer blicken. Hier bilden sich an der Oberfläche klare hell grüne Farbspiele ab, die an frisches Gras erinnern, doch je tiefer der Grund sich zeigt,Camera2-2013-08-15-13-52-27desto dunkelgrüner und dichter in seiner Darstellung, wird jede Tasse. Dieses herbstliche Bühnenstück kommt in diesem Akt noch cremiger, geschmeidiger daher, als einen Akt zuvor. Dabei sind es genau die Zunge und der Gaumen, den dieses kleine Fest immer und immer wieder für uns in Wallung bringt. Gerne und gekonnt geben sich die Übeltäter dieser Tat in Form eines lang anhaltendenCamera2-2013-08-15-14-12-00Nussgeschmacks, der eine die Walnuss, der andere die Mandel, mit einer gezielten Adstringenz zu erkennen. Auch wenn es mit zwei Akten nicht getan ist, muss man diese doch recht rasch genießen, da sonst eine beleidigte Stimmung die Runde macht und so mancher der delikaten Ehrengäste etwas in bitterer Haltung versinkt.

Fazit

Dieser Sencha ging auf die Nüsse, aber in guter Manier, denn so ausgewogen in diesen Akzenten habe ich selten einen Grünen Tee erlebt. Dabei durchlebt man wahrlich einen verfrühten Herbst und schafft es mit diesem Bild vor dem inneren Auge voll und ganz zu überzeugen. Wichtig ist hier besonders der Aspekt der Dosierung, da der „Best Friend“ doch schnell herb und bitter werden kann, wenn man nicht gekonnt vorgeht. Am Besten ist hierbei seine eigene Lösung zu finden, um somit einen delikaten Mittelweg zu erzielen. Mit der Zeit sammelt man mit den ganzen Senchas und Co eine Riege an Tees zusammen, die man entweder immer wieder gerne bestellen möchte oder eher auslassen will. Dieser hier, zählt auf jeden Fall zur ersten Kategorie und mit knapp 23 Euro bewegt er sich auch im akzeptablen Rahmen. Daher gibt es hier von mir auch eine volle Kaufempfehlung für diesen tiefenbedampften grünen besten Freund. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s