Kukicha Karigane

Kukicha Karigane (Hoshino, Fukuoka)
Menge: 100g
Ernte: First Flush (Frühjahrspflückung)
Gekauft: Cha no Ma

allgemeines

Nun ging es in letzter Zeit, rein Tee-technisch mit Hoshino heiß her, doch nicht nur Sencha wandert dort sorgfältig verpackt in Vakuumtütchen, sondern auch solche wie dieser Kukicha Karigane. Kukichas gibt es als solche alleine auch zu ergattern, aber das Besondere an diesem feinen Geäst ist die Qualität. Denn hier werden die Stängel aus der ersten Pflückung von Gyokuro gewonnen, darum auch Karigane, was übersetzt soviel wie „Wildgans“ bedeutet. Doch ist er weitaus leichter und süßer, als das kostbare Blattgut, aus dem diese BlattrippenCamera2-2013-08-21-16-50-15und Stängel gewonnen werden. Warum ein Tee solch eine doch recht eigenwillige Bezeichnung bekommen hat, geht auf ein altes japanisches Volksmärchen zurück. Diese besagte Wildgans flog oft über große Teiche und Gewässer. Um sich ab und an ausruhen zu können, legte sie einen Zweig, den sie im Schnabel trug, auf die Wasseroberfläche und ruhte sich darauf aus. Denn in Japan sagt man oft, dass wenn man einen Karigane beobachtet, sieht man auf der Oberfläche dieses dampfenden Tropfens kleine lose Äste schwimmen, wie treibendes Holz auf Wasser.

trockenes

Wie ein längliches Blattkonfetti-Feuerwerk breitet sich dieses Gedicht visuell vor einem aus und präsentiert sich hierbei in vier unterschiedlichen Farbkomponenten, von hellgelb zu gelblichgrün, weiter zu einem hellen grün wie frisches Gras bis hin zu einem satten dichten dunkelgrün. Dabei wirken die Stängel und Blattrippen fast schon wie penibel genau nach Maß zugeschnitten.Camera2-2013-08-18-14-18-11Besondere Beachtung sei dieser fast schon wahnwitzigen Süße gewidmet, als wäre dieses Stängel-Rippengeflecht in Zuckerwasser eingetaucht worden und mit einem feinen Film, wie glasiert, überzogen bzw. als hätte man Lutschbonbons, Wassermelonen, Pfirsiche, die gesamte Ausbeute von Halloween und Ostern in einen Topf geworfen und in heißem Zuckerwasser eingeschmolzen.

feuchtes

In diesem dampfenden Zustand schwitzt nicht nur das heiße Geflecht, sondern auch der Saft der sich langsam im Munde bildet. Dabei steigen heiße Aromaschwaden von Maiskolben direkt in unsere Geschmackssinne auf, paaren sich mit Nuancen von gezuckertem Popcorn, einer Brise Pfeffer, viel reifesCamera2-2013-08-18-15-03-46sehr süßes Obst alla Birnen und Pfirsisch und einem Bouquet, als würde man Zuckerstangen im Wasser auflösen. Diese Süße lässt einem schon vor Begeisterung fast in dieses Geäst beißen, wüsste man es nicht besser, dass dies wohl kein so guter Plan wäre.

Erster

Empfohlen laut Verpackung:  80° / 5g auf 450ml / auf 60 Sekunden
ZeroZen Variante:                  80° / 5g auf 380ml / auf 60 Sekunden

So süß wie der Anfang richtig dick aufgetragen hat, lässt nun der flüssige Zustand in diesen Belangen etwas, nein im Grunde sehr, nach. Dafür erschließen sich in diesem matten olivgrünen mit einem Schuss eines braunen Schimmers dampfenden Tropfens, Teils komplett neue Aspekte. Diese zeigen sich in einer nussigen Grundnote, die aber ohne jegliche Herb oder Bitterfaktoren auskommt. Ein Hauch von Mais schwimmt immer noch an der Oberfläche mit und wird dabei erstmals von unterschiedlichsten Getreidesorten bzw. einem saftigen Vollkornbrot getragen. Wie kleine Bojen treiben feine kleine, dezent platzierteCamera2-2013-08-18-14-42-29Cocktail-Tomaten neben uns her. Hierbei wird dieses leichte Röstaroma von gebrannten Mandeln und Haselnüssen begleitet. Welcher Akzent komplett neu ins Rampenlicht rückt ist eine geschmackvolle Schale gefüllt mit ungewürzten Nacho-Chips bzw. eine Mischung aus diesem und Reiswaffeln pur. Auch das Obst begleitet unser schwimmendes Treiben in sehr reifer Manier von Äpfeln, Birnen und nun auch Nektarinen. Den Nachklang und somit den Abschluss dieser ersten Bootsfahrt bilden die noch lange anhaltenden Nuancen von Weintraubenkernen mit Zucker überzogen.

Zweiter

Empfohlen laut Verpackung:  80° / 5g auf 450ml / auf 5 Sekunden
ZeroZen Variante:                  75° / 5g auf 380ml /        Sofort

Nun hat das Boot wieder abgelegt und fast könnte man nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich die Vermutung äußern einem Genmaicha zu unterliegen. Durch dieses Bild beeinflusst ist es nicht verwunderlich, dass man wieder das Aroma von puren Reiswaffeln herausschmecken kann. Diesmal wird das Vollkornbrot nicht lose kredenzt, sondern mit delikater Butter bestrichen. Zu diesem ungemein lieblichen Bouquet reicht man uns WeintraubenCamera2-2013-08-18-14-53-47mit großen Kernen, abermals Nektarinen, sehr reife Birnen und erstmals noch fast unreife grüne Bananen. Dabei schwingt immer ein leichter Hauch von Natron in diesem Gefilde mit, welcher sich später in Form von Laugengebäck in einem krönenden Nachtisch im Abschluss präsentiert. Nicht genug reicht man uns noch als Abschiedsgeschenk einen Korb mit duftenden warmen Croissants.

Fazit

Es ist schwer zu sagen, ob mir vorher schon einmal ein Kukicha Karigane untergekommen ist, aber an diesen hier, werde ich mich auf jeden Fall zurück besinnen. Denn dieses Gesamtkonzept an Aromen ist wahrlich eine Freude und ein Gedicht sondergleichen. Wenn man bedenkt das die Qualität fast auf selbem Niveau steht, wie die eines wirklich guten Senchas, dann ist jeder aufhellende Moment dieser Teerunde mehr als nur nachvollziehbar. Besonders diese intensive massive Süße die einem fast zu Boden ringt vor Fülle an Gewicht, ist einfach nur fantastisch. Im Schnitt mit 12 Euro ist dieses grüne Geäst einfach nur zum empfehlen und ein guter Ausgleich zu Sencha, Matcha und Co, besonders und dank seines niedrigen Koffeingehalts.

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