Sencha Midori No.2

Sencha Midori No.2 (Hoshino, Fukuoka)
Menge: 100g
Ernte: Sommerpflückung
Gekauft: Cha no Ma

allgemeines

Hoshino avanciert nun wahrlich zu einem meiner Bericht-Steckenpferde, denn kaum ein anderer Teefleck Japans bringt solch eine Vielfalt an Teenuancen zustande, mit einer Ergiebigkeit, die wie eine Duracell-Batterie läuft und läuft. Leider konnte ich außer dieser schon bestehenden Ansichten und ErkenntnisseCamera2-2013-08-19-14-14-55kaum mehr in Erfahrung bringen, denn so sehr wie diese sommerliche „Midori“, hat sich noch kein Sencha zuvor in mystisches Schweigen gehüllt. Ob ich dieses Schweigen brechen konnte oder sich mir das Blatt stumm widersetzte, das lest ihr wie immer hier und jetzt, auf ZeroZen.

trockenes

Gleich mit dem öffnen der Dosenkappe setzte ich gekonnt meine Verhör-Sinne ein und versuchte dabei den noch so kleinsten Nuancen-Schimmer aus diesem Blatt zu kitzeln. Doch wurde mir der Anfang dieser Sitzung wahrlich erschwert. Anstatt geständig sich zu erweisen, blieb ein Dunst des Schweigens in der Luft verhangen. Selbst ein Unterkühlen von Frau Midori No.2, wurde mit kaum einem Ergebnis belohnt. Es musste viel Zeit verstreichen, als die ersten Geruchs-Fakten ersichtlich waren. Dieses erst sehr lieblich dezent duftende Blatt, entwickelt nach einigen Überredungskünsten ein delikates Aroma feinerCamera2-2013-08-19-14-29-48Schokobananen. Dazu kredenzt man uns ein feines Erdbeermarmeladen-Brot, reicht uns ein weiteres Brot mit delikater Butter und einem Hauch von Butterkäse. Weil dies alles nicht schon genug nach Schwangerschaft schreit, gibt es noch eine kleine Zitrone oben drauf, auf der ein Kübel mit Popcorn balanciert. Was für ein seltsamer Ausgang. Auch die Optik schießt den Vogel ab und driftet in komplett konträre Richtungen bzw. begräbt den Vogel gleich unter sich. Denn dieses Blattwerk weist kaum helle Stängel auf, besticht aber vielmehr durch seine fast wie übereinander liegende, sehr dunkelolivgrüne Nadeln, die wie frisch abgeholzte Baumstämme in Reih und Glied gestapelt aufliegen. (besser erkennbar in der Dose)

feuchtes

Nicht nur in der Optik, welche an gebrochene Muschelstücke erinnert, sondern auch von seinen Nuancen her, distanziert sich das feuchte Blatt gezielt von seinem trockenen Auftakt. Es scheint fast so, als wäre Midori langsam gesprächig gestimmt und schießt ihre Aromen Kreuz und Quer durch den Raum. Hier wird aufgebacken, überbacken und gebacken was das Zeug hält. Ofenkartoffeln präsentieren sich hier sehr deftig, geschmackvoll und mit einer unglaublichen Adstringenz im Schlepptau, als führende Aroma-Zeugen dieserCamera2-2013-08-19-15-32-15dampfenden Runde. Diese fein säuerliche Adstringenz zieht einem mit ihrer Intensität förmlich die Geschmacksknospen im Munde zusammen. Ein gebackener grüner Apfel, der sich aber nicht als schuldig erklärt für den Säuregehalt Verantworten zu tragen, dampft ebenfalls als gebackene Variante in unserem Tee-Ofen genüsslich vor sich hin und eröffnet uns mit seinem erscheinen den Weg als Übermittler zum deftigen Charakter reifer Birnen mit einem Hang von Schmelzkäse / Butterkäse überbacken.

Erster

Empfohlen laut Verpackung:  70° / 5g auf 450ml / auf 45 Sekunden
ZeroZen Variante:                  70° / 5g auf 380ml / auf 45 Sekunden

Wo uns noch der trockene Aspekt in die Irre führen wollte, weist uns der zuvor beschriebene feuchte Blattaspekt die richtige Richtung. Hier präsentieren sich ohne großer Überredungskünste mit dem ersten Schluck reife im Ofen gebackene Birnen und Rosmarin-Kartoffeln mit leichtem Butterkäse überbacken. Diese werden mit einer feinen Brise an nussigen gerösteten Akzenten überträufelt. Nicht genug diesen ganzen Geschmackswahnsinns, reicht man uns ein saftiges frisches Schwarzbrot und ein Lángos“ dampfend und heiß,Camera2-2013-08-19-14-51-42ohne sich entscheiden zu können wo man zuerst abbeißen möchte. Diese matten fast schon ockergelben Tassen, lassen kaum einen wahrlich süßen Fruchtcharakter zu und legen uns nur, als minimalistischen Anreiz, die wohl kleinste Erdbeere der Welt auf unseren Gaumen. Selbst wenn dieser Sencha in seiner ersten Runde, langsam aber doch, seine Hitzköpfigkeit verliert, wird er dennoch kaum merklich bitter in seinem Gemüt und bleibt dabei noch lange auf unserer Zunge erhalten. Dieser finale erste Abschluss ergibt sich wieder in Form von Birnen und Kartoffeln gebacken.

Zweiter

Empfohlen laut Verpackung:  70° / 5g auf 450ml / auf 10 Sekunden
ZeroZen Variante:                  70° / 5g auf 380ml / auf 10 Sekunden

Weitaus dünkler bringt dieser Auftakt einen komplett anderen Wind in diese Verhörrunde der Nuancen. Denn mit einem Mal schlägt die Stimmung drastisch um, wird dabei merklich bitterer und gezielt herb in seinen Auswüchsen. Zwar sind Anleihen vergangener Nuancen noch spürbar, aber in weitaus minimalerer Ausführung. Streng genommen dominiert in dieser Runde der Herb-Bitter-Charakter, unter dem sich alle weiteren Nuancen unterordnen. Immer noch präsent, die Ofenkartoffel-Lángos-Schmelzkäse Fraktion. Doch bettet sich dieser schmelzende Freund in diesem Akt auf schwarzem saftigen Brot. Die Birne zeigtCamera2-2013-08-19-15-27-01sich nun eher überreif, als gebacken und rollt dabei schnell zur Seite, um einem leichten Hang von geräuchertem Schinken erstmals die Option zu bieten sich bemerkbar zu machen. Würde man eine Vielzahl dieser Zutaten in eine Speise zusammenfassen, dann wäre es in diesem Fall kurz und knapp gesagt ein „Schinkenkäsetoast“. Zieht sich die Herbe erst zurück, nach dem der letzte Schluck getan ist, wendet sich auch seltsamer Weise Schlagartig der Nachklang in etwas sehr angenehm Süßes.

In späteren Aufgüssen wird der Bitter-Herb-Gehalt wieder wesentlich geringer und angenehmer, als in dieser zweiten Runde. Dafür bleibt in Folge der leicht nussige Hang, mit vor allem Birnen und Käsebrot-Feeling bestehen.

Fazit

Ich denke mit diesem Sencha steht man genau zwischen den Stühlen. Denn ich kann sehr wohl nachvollziehen, warum einigen dieser Sencha sehr gut munden würde und anderen wiederum eher etwas weniger. Hier scheiden sich wohl die Geister. Mein Geist bzw. meine Geschmacksknospen konnten sich sehr gut auf dieses sehr dunkle Blatt einlassen. Einzig und allein der zweite Aufguss ging für mich wahrlich in die Hose, da er seltsamer Weise ungemein Bitter um die Ecke kam. Auch der Anfang erwies sich als holprig, da aus dem trocken Blatt, sofern man nicht schon etwas geschult ist, kaum etwas signifikantes zu erkennen ist. Man muss die Nase wahrlich tief halten und den Atem weit einholen, um in Folge endlich seine Nuancen erkennen zu können. Doch später wandelt sich dies komplett. Ich für meinen Teil konnte mich zwar gut auf diesen Sencha einlassen, würde ihn aber dennoch kein zweites Mal kaufen. Aber um sich selber eine fundierte Meinung zu bilden, sind knapp 12 Euro kein großer Verlustpunkt.

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