Shincha 88ya no tsuyu

Shincha 88ya no tsuyu (Shizuoka)
Menge: 100g
Ernte: First Flush (Frühjahrspflückung)
Gekauft: Cha no Ma

allgemeines

Lange Zeit in Hoshino verweilt, verschlägt es uns mit einer erneuten Teereise zurück zum Kapitol der japanischen Teeindustrie, nach Shizuoka. Dabei stammen nicht alle Sorten die in Shizuoka veredelt werden, in Wirklichkeit von dort. Hierbei ist eine goldene Hand und jahrelanges Wissen gefragt, das entweder in Form eines Teezwischenhändlers oder eines Teemeisters auftritt. Dieser kennt die richtigen Mischungen, die am Ende zu einem finalen Konzept vereint werden. Daher kann ein Sencha aus Shizuoka sowohl Teile aus Blättern von Hoshino, als auch von Kyoto beinhalten. Ob dies bei diesem feinen Frühlings-Sencha, der ersten Frühjahrspflückung auch der Fall ist, lässt sich schwerCamera2-2013-08-30-15-50-38sagen, aber auszuschließen ist es nicht. Was auf jeden Fall auf der Hand liegt ist, dass dieses Blatt eine kleine alljährliche Rarität darstellt, die nicht unbegrenzt erhältlich ist. „Risshun“ leitet den traditionellen Beginn des Frühlings ein und aus dieser Tradition heraus geboren entsteht dieser Sencha, in dem Fall ein Shincha, in den ersten 88 Tagen danach, darum auch sein Name „88ya no tsuyu“, was soviel wie „Tau der 88 Nächte“ bedeutet. Mit wie vielen Nächten dieser Shincha am Ende wirklich erfreut und ob ihm dies überhaupt gelingt, das lest ihr wie immer hier und jetzt, auf ZeroZen.

trockenes

Im Gegensatz zu einem „Best Friend“, welcher letzte Woche unter feiner Beobachtung stand, weist dieser Shincha zwar um einiges mehr an Nadeln auf, dennoch ist sein Hauptbestandteil eher fein, viele Blattkrümmel und fast schon pulverisiertes Blattwerk bestimmen sein Erscheinungsbild. Als wären es feinste Magnetspäne, haften diese mit einer selten so gesehenen Beharrlichkeit am Doseninneren und der Tonschaufel, dass man schon richtig gespannt ist, ob der baldige dampfende Tropfen eine ebenso starke Anziehungskraft ausüben wird.Camera2-2013-08-30-15-49-37Zwar erfährt dies in keinem Satz im Internet Erwähnung, aber ich würde die Annahme äußern, dass es sich hier wohl im einen Fukamushi (tiefenbedampft) handelt. Das Aroma ist nicht so intensiv, wie man es normal von einem Shincha gewohnt ist, aber weist dennoch viele schmackhafte Nuancen auf. So schwingt mit dem öffnen der Packung ein feiner Hauch von Kirschen durch die heimischen vier Wände und trägt dabei ein paar wahrlich süße Pfirsiche, Pflaumen und rote Äpfel auf dieser Woge mit. Ganz minimal und nur im Untergrund verhangen, findet sich noch ein dezenter Milchschokoladen-Charakter wieder.

feuchtes

Dieses Krümmelwerk wandelt sich nun in feuchten dampfenden Matsch, der nicht nur optisch, sondern auch von seinen Aromen sehr an grob pürierten Blattspinat erinnert. Zwischen all dem dichten dunkelgrünen Gemisch stechen auch ein paar hell-farbliche Akzente in Form von feinen kleinen Stängeln hervor.Camera2-2013-08-30-16-23-24Seine restlichen Nuancen sind schnell erkannt und definiert. Hier zeigen sich alte Bekannte in Form von sehr nussigen Aromen, dampfenden Esskastanien und ein gewisses Maß an Adstringenz, für die Geschmacksvielfalt verantwortlich.

Erster

Empfohlen laut Verpackung:  80° / 5g auf 450ml / auf 60-90 Sekunden
ZeroZen Variante:                  80° / 5g auf 380ml / auf 90 Sekunden

Strahlend hell-gift-gelb funkeln einem diese dampfenden Schalen entgegen und warten nur noch darauf verkostet zu werden. Dabei erschließt sich schon mit dem ersten Schluck ein solch saftiges sattes Geschmacksbildnis, das Anfangs nicht so leicht definierbar erscheint. Es ist fast so, als würde man einem Vulkanausbruch beiwohnen, der mit seiner heißen dampfenden Masse, Häuser, Bäume und sonstige Gegenstände die Düfte absondern, mit all seinem Sein umhüllt hat. Dabei lässt dieses gesamte Flair keine andere Nuancen so richtigCamera2-2013-08-30-16-04-48zu. Hier umhüllt auch eine Undefinierbarkeit dieses Gesamtbild und lässt uns eine Weile zappeln, bis endlich die geschmacklichen Tatsachen an die Oberfläche gelangen. Als erstes Aroma und somit einleitend in dieses Fest der Sinne, ist die gute alte Esskastanie, dampfend und in vollster satt geprägter Ausführung. Viel Platz für süße Freuden bleibt weiterhin wahrlich nicht und somit zieht dieser Festzug der deftigen herzhaften Würze seine Runden, bis man am Ende dieserCamera2-2013-08-30-16-00-54Schlange dem eigentlichen König der Parade gegenübersteht, dem Spinat. Doch dieser kommt nicht alleine, denn als seine attraktive und fast schon gewichtigere Begleitung in diesem Spiel ist das Spiegelei. Dieses verschafft sich nach und nach immer mehr Platz in diesem Geschehen, während sich noch ein kleiner Hauch von Walnüssen gekonnt unter diese dominierenden Konsorten gemischt hat.

Zweiter

Empfohlen laut Verpackung:  80° / 5g auf 450ml / auf 10 Sekunden
ZeroZen Variante:                  80° / 5g auf 380ml /         Sofort

Nun steht der Zeiger wahrlich und unweigerlich auf „Ei“ und dieses trumpft auf wo es nur kann. Ei mit Esskastanien, Ei mit Spinat, Ei mit Butterkäse und sogar Ei mit einem leichten Feeling von Matcha, keine Nuance in dieser Runde bleibt von diesem Aroma-Ei verschont. Einzig und alleine der Nachklang verliertCamera2-2013-08-30-16-21-58nach und nach etwas von diesem Aroma und lässt dafür Platz für einen nussigen mit Weintraubenkernen besetzten Abschluss. Dieser Shincha ist noch lange nicht an seinem Zenit angekommen und erfreut noch für mindestens zwei weitere Runden den Gaumen mit deftigen Nuancen, bevor der Tag und somit diese kleine Parade zu Neige geht.

Fazit

Schwierig zu sagen was ich von diesem Shincha halten soll. Anscheinend erfreut sich dieser grüne Freund großer Bekanntheit, da man ihn gut und gerne in vielen deutschsprachigen Shops anbietet und sozusagen einer der tragenden Shinchas ist, die in unseren Breitengraden alljährlich angeboten werden, aber macht ihn dieser Ausgangspunkt gleich zu einem guten Shincha? Nicht zwangsläufig. Ich hatte dieses Jahr eine große Shincha-Lieferung aus Japan und was da an Perlen dabei waren, die auch preislich weit unter diesem lagen, lassen diesen „88yanokuyu“ wahrlich traurig im Regen stehen. Zwar ist es kein schlechter Tropfen, aber sobald man Vergleiche hat, wird es schwierig diesem Tropfen all zu hohe Punkte zu verleihen. Dazu kommt noch der Preis, der mit fast 30€ nicht mehr wirklich gerechtfertigt erscheint. Daher kann ich nur bedingt eine Kaufempfehlung aussprechen und lasse diesen Shincha im Mittelfeld zurück.

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