Yame Cha

Yame Cha (Yame, Kyushu)
Menge: 100g
Gekauft: Cha no Ma

allgemeines

„Shinryoku no Tsuyu“ der Dritte. Im Grunde gibt es aus dieser Reihe weit mehr, als diese drei bisher verkosteten Sorten. Aber sie scheinen, besonders in unseren Breitengraden die Gängigsten, aus jenem Sortiment zu sein. Der Anfang, sozusagen der Ursprung, hinter dem Yame Cha und seinem ersten Anbau in der gleichnamigen Region, geht auf das 13 Jahrhundert zurück, wo ein Schüler des großen Zenpriesters „Eisei“ den „Reigenji Tempel“ errichtet hat und dort erstmals jenen Yame Sencha anbaute, für den die Gegend heute noch berühmt ist. In der Vergangenheit kehrten schon, wie beschrieben, zwei Ableger dieser Sorte in meine Tee-Stube ein, der „Kawane Cha“ und der „Ureshino Cha“. Trotz großer Mühe erwarben diese Sorten nach reichlicher Verkostung gerade einmal nur eine mittlere bis unter der Mitte liegende Wertungen. Ob diesem Yame Cha, das selbe Schicksal zu Teil wird oder er sogar seine Vorgänger in den dampfenden Schatten stellen wird, das lest ihr wie immer hier und jetzt, auf ZeroZen.

trockenes

Hier entwickelt sich schon im Vorfeld ein wunderbar delikates Wechselspiel der Sinne, wo sich eine sehr schwere Süße und ein ebenso frischer frühlingshafter Touch die Hand geben. Dies geschieht so nahtlos, als wären jene schon seit Anbeginn der Zeit ein Duo des guten Geschmacks gewesen. Dieser süßliche Obstgarten-Flair von unendlich vielen Kirschblüten die von einem9302013231212frühlingsfrischen Wind dahin getragen werden, lassen vereinzelt ihre leichten Körper auf saftigen Nashibirnen nieder. Und der „Wind“ bzw. eine feine Brise, ist auch das Schlüsselwort, den diese spürt man, wie einen stetigen Begleiter um einen herum, als wäre man von dieser Frische eingehüllt und dies trotz aufgewärmter Wohnung, während vor dem Fenster der Frühling dem Herbst seinen Platz überlassen hat und dieser jegliches Grün mit all seinen Braun- Und Rottönen überdeckt.

feuchtes

Dieser Sencha scheint ein Freund der „Gegensätze ziehen sich an“-Fraktion zu sein, denn was sich hier so heimisch an einander schmiegt, lässt schon jetzt den Verdacht erahnen, dass jemand, nicht unbedeutend dem Resultat Verantwortung tragend, einen grünen bzw. einen goldenen Daumen inne hatte. Denn hier sitzt alles wie es sitzen soll. Zwar erschließt sich die dampfende Woge im ersten Augenblick sehr süß verhangen, ergibt sie sich aber im nächsten Moment in einer solch intensiv herzhaften Dichte, deren Adstringenz das Gesamtbild nur noch vervollkommnet. Dies entwickelt sich auf eine solch charmant9302013231523schmackhafte und unaufdringliche Art und Weise, wie ich es selten erlebt habe. Schon mit bedacht darauf, diese Nuancen-Beschreibung patentieren zu lassen, ergibt sich auch hier wieder ein typischer „saftiger Schwarzbrot-Worcestershiresauce-mit feinster Käsenote-Flair“ und dies geradewegs dampfend aus dem Ofen kommend. Die zuvor beschriebene Adstringenz schafft genau den perfekten Mittelweg zwischen „Ohmacht“ schwingend zu einem „sich zusammenziehenden Gefühl aller Geschmacksknospen“, eben schlichtweg gesagt „die perfekte Mischung“, wie auf die Kommastelle errechnet.

Erster

Empfohlen laut Verpackung:  70° / 5g auf 450ml / auf 90 Sekunden
ZeroZen Variante:                  70° / 5g auf 450ml / auf 90 Sekunden

Ist man ein Freund visueller Eindrücke, wird einem dieser dicht, intensiv grün trübe Sencha ein Lächeln auf die Lippen zaubern, besonders wenn man weißes Tee-Geschirr benutzt. Diese Dichte lässt schon verstärkt auf einen „Fukamushicha“ schließen, denn auch der Geschmack zielt auf einen Charakter hin. Ohne das es weiter verwundert, ergibt sich der erste Schluck in einer Symbiose aus Nuss mit einem solch sinnlichen genüsslich adstringierenden Kribbeln auf dem Gaumen und der Zunge, wie kleine elektrische Impulse. Wo der Auftakt im Duo-Pack der Nuancen serviert wird, ergeht es dem Abgang genau auf gleichem Wege. Hier hinterlässt ein intensiv süßer Geschmack, der sich noch lange auf dem Gaumen wie zu Hause fühlt, nach einem herben Einstieg, seine Note. Doch wie schon zuvor erwähnt, lässt der geschulte grüne/goldene Daumen, auch hier seine Taten sprechen, denn selbst jener9302013232133Herbe-Charakter erstrahlt dank der Ausgewogenheit des Ganzen in einem genüsslichen Licht. Dabei kleidet sich unsere Zunge nur liebend gerne, mit der buttrigen cremigen Konsistenz diesen grünen Tropfens ein. Bevor der süße Abgang seine verdiente Erwähnung findet, erhascht man mit viel Gurgeln und Zeit auch eine Nuance die leicht an den Geruch von Tatami-Matten erinnert, aber nur minimalst spürbar. Der Nachklang ist ein kleines süßes Feuerwerk für sich. Hier durchziehen gleich mehrere Aspekte dieses Geschmacksbildnis, wo sich ein definierter angenehm süßer Kirschblüten-Charakter, mit dem Flair von Kirsch „Hi-Chew“ kreuzt und dabei noch genügend Platz frei lässt, um der Nashibirne, besonders der Schale mit etwas Fruchtfleisch, genügend Raum zu geben, um sich genüsslich zu entfalten.

Zweiter

Empfohlen laut Verpackung:  70° / 5g auf 450ml / auf 10 Sekunden
ZeroZen Variante:                  70° / 5g auf 450ml / auf 10 Sekunden

Als würde man immer tiefer in die dunkle See abtauchen, lässt nun diese zweite Runde weit trübere und dichtere Farbnuancen erkennen, die noch intensiver in ihrem satten Grün erstrahlen. Hier bleibt im Grunde alles wie gehabt. Der „Nashibirnen-Schalen-Charakter“ tritt nun noch etwas mehr in den Vordergrund, während der adstringierende Anteil, sich nun mehr auf den nussigen Ansatz konzentriert. Dieser zeigt sich in einer Kombo, die man wohl am Besten als „Sesam-Haselnuss-Edamame-Flair“ beschreiben kann. Dieser9302013232511Edamame-Anteil ergänzt sich perfekt mit dem Nussigen und verschmilzt dabei in einer Symbiose mit den genannten Akzenten. Um gleich im Gemüsebeet zu bleiben, erkennt man, wenn man ganz genau seine Knospen arbeiten lässt, ein feines Aroma von Spargeln. Natürlich geht es auch hier nicht ohne dem saftigen „Schwarzbrot-Flair“ zu Ende und Ende trifft es nun gekonnt, denn der Nachklang verabschiedet uns ebenfalls mit einer Note aus Fruchtgummi-Kirschblüten und entlässt uns in einen frühlingshaften Herbsttag. Wenn das kein Widerspruch ist, aber ein guter.

Fazit

Nun, so denke ich, lässt sich schon an der Review erkennen, dass diesem Sencha wohl mehr am Ende inne wohnt, als seinen Vorgängern gegönnt war und so ist es auch. Dieser „Yame Cha“ hat wahrlich um Ecken, Haushoch besser gesagt, abgeschnitten, als seine Kollegen davor. Hier ist das Schlagwort „Mischung“ wohl am zutreffendsten. Denn diese sitzt überall und an jedem Ansatz, genau wo sie sitzen soll. Einziger Grund warum dieser Tee nun nicht, wie sein Daumen, im Gold schwimmt, ist meine Erfahrung und diese muss ich eben auch mit einfließen lassen. Hier stellen sich die Fragen wie: „Wie schmeckt er im Vergleich zu Senchas im gleichen Preissegment?“ oder „Gab es sogar günstigere Senchas die besser waren?“ etc. Auf jeden Fall liegt dieser Sencha mit 22-28 Euro im Preissegment „OK“. Ich habe es auf jeden Fall genossen, diesen grünen Freund zu verkosten und wünsche auch jedem der diesem Blatt über dem Weg läuft, viel Spaß und vor allem eine genussvolle Tee-Stunde. In der nächsten Woche, wird es keine Reviews im eigentlichen Sinne geben, sondern etwas Besonderes, also seit gespannt.

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