Oriental Beauty Pinglin

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Allgemeines2.0

Oriental Beauty“ (ist öfters auch bekannt unter den Bezeichnungen „Dong Fang Mei Ren“ oder „Champagner Formosa“) erhielt seinen heutigen Namen dank der Begeisterung von Königin Elisabeth II, die wahrlich hin und weg war, als sie diesen Tropfen das erste Mal trank. Dabei war dies mehr ein Versehen, als gewollt, denn zu der damaligen Ernte, hatten die Teebauern in Taiwan mit einem regen Zikaden-Befall zu kämpfen. Dieser griff auch jene Pflanzen an die damals zur Gewinnung von Oolong genutzt wurden. Die Jassid, wie man diese Gattung der Zikaden nennt, gelten als Engel die vom Himmel gesandt wurden, da sie tragend für den Honig-Pfirsich-Flair des Oriental Beauty sind. Dies kommt so zu Stande, da alljährlich die jungen Triebe jener Pflanze angenagt werden und somit die Fermentation der Blätter, die sich noch an den Zweigen befinden, eingeleitet wird. Nach dieser Behandlung sehen die Blätter rotbraun aus und weisen die typischen charakteristischen weißen Spitzen auf. Wenn man nach dem Aufguss genauer hinsieht, kann man hierbei die feinen Bissspuren der Zikaden erkennen. Trotz dieser „Fehlentwicklung“ verkaufte der Händler damals seine Fracht an die Briten und so gelangte der Tee, an den Hof von England, der Rest ist Geschichte.

Dieser besondere „Oriental Beauty“ von „Die Kunst des Tees“ stammt aus Taiwan, genauer gesagt aus dem Bezirk Pinglin. In 400m Höhe, wird diese Zucht nur mit feinstem und unverschmutztem Wasser gespeist und zu Gunsten der Zikaden, damit deren Befall auch wirklich einsetzt, verzichtet diese sich mit Leidenschaft widmende Familie Chen, komplett auf jeglichen Einsatz von Pflanzenschutzmittel. Insgesamt drei Generationen helfen in diesem Familienbetrieb mit. Dabei haben sich die Chen’s auf zwei Sorten spezialisiert Bao Zhong und dieser Oriental Beauty. Dabei handhaben sie jeglichen Schritt selbst, vom Anbau, zur Gartenpflege, der Tee-Herstellung bis hin zum Verpacken, alles geschieht dabei in Handarbeit.

Wenn man all dies in Betracht zieht, hat alleine die Geschichte dieses Blattes einen wahrlichen Schub an Erwartungen, auf die Messlatte von ZeroZen gelegt, wird diese orientalische Schönheit auch jene zur Gänze erfüllen oder bricht diese lange Geschichte unter einer Fülle an trockenen Blättern zusammen. Die Auflösung jener Fragen, erfahrt ihr nur hier und jetzt, auf ZeroZen.

Trockenes-Blatt-2.0

Nach dieser ausführlichen Roman-Einleitung, geht es sofort zum kunstvollen trockenen Blatt weiter. Hier fühlt man sich sogleich in mitten eines Herbstwaldes katapultiert, dessen Farbpalette ein atemberaubendes optisches Spiel sondergleichen darstellt. Diese Pracht an dunkelbraunen bis rotbraunen Blättern, bilden ein wundervolles Gesamtkonstrukt in dessen verspielten Zwischenräumen sich immer wieder weiß silberne Spitzen abzeichnen, moosgrüne Ansätze sich gekonnt in Szene setzen und wo ein gewisser Schimmer von Violett über so manch knuspriges Blatt zu funkeln scheint. Was man aber als aller Erstes feststellt, bevor einem die Optik jener voluminösen farblichen Kunstwerke an Blättern, in ihren Bann ziehen, ist dieser intensive frisch fruchtig würzige Duft, welcher gekonnt jeden noch so kleinsten Winkeln der eigenen Sinne betört. Dies geschieht auf eine sehr verspielt florale Art und Weise und in einer solch03201418247tief süßen Manier, welche unweigerlich sofort an Blütenhonig erinnert. Doch bleibt die Süße in diesem feinst abgestimmten Auftakt nicht nur in diesen Gefilden verhangen, sondern schlägt sogleich die Seite zwei in diesem Buch auf und präsentiert einem das zweite Hauptthema in diesem Kapitel und zwar den Pfirsich. Dieser kommt sehr reif, fast wie in eingelegter Variante daher. Doch wenn sich schon ein Obst in Zuckerwasser badet, dann bleibt dieses meist nicht allein, darum gesellen sich hier noch weitere Kollegen in Form von Nektarinen und Kirschen hinzu. Dieser gekonnt abgestimmte Obstsalat zieht einem fast die Schuhe aus, da man am liebsten mit baden möchte, nach dem der eigene Gaumen und die Zunge auf solch eine unwiderstehliche Art und Weise, schon hier im Trockenen, verführt wurde. Manch ein Kenner würde auch gewisse andere Anleihen ausfindig machen, diese würden doch sehr gewissen weißen Teesorten, aber auch sehr frühen grünen first flush Darjeelings nahe kommen.

FeuchtesBlatt2.0

Neben dem haupt-tragenden dunkelbraun Konstrukt, erweisen nun hellgelb-grünliche Spitzen, im Austausch mit dem vorhergegangenen Silber, uns die Ehre und lassen noch ein wenig Spielraum um einem rötlichen Schimmern, Platz zu verschaffen. Schon alleine dieser feuchte Blattauftakt gleicht einem wahren Ansturm an süßen Geschossen. Hier knallt es einem fast eine Welle an Honig mit einem Schuss an Zitrone entgegen, dass man völlig fassungslos und ohne032014185258Worte erst einmal tief Luft holen muss, bevor man erkennt, dass dies den selben Effekt erneut hervorgerufen hat und somit die zweite massiv süße Geschmackswelle auf einen hereinbricht. Doch diese Welle(n) drücken einen nicht zu Boden, sondern heben einen weit in die Lüfte und tragen unseren mit Freuden umspielten Gaumen unaufhaltsam dahin. Dabei entwickelt sich alles noch reifer im Geschmack, vor allem im Bereich der Früchte.

1stZubereitung: 80-90° / 6-10g auf 500ml / auf 2-3 Minuten

Eine Tasse, dessen Abbild in einem solch wundervoll transparent bernsteinfarbenen Glanz erstrahlt, hat wohl bisher noch keine ZeroZen-Teeschale beglückt. Hier dominiert klar und deutlich eine satte Pfirsich-Honig-Note, als ein Duo, diesen ersten Hauptakt in dieser Tee-Stunde. Diese zwei Akteure setzen ihre Nuancen so gekonnt elegant und schmeichelnd ein, dass sich diese Intensität an Geschmack wie ein feiner Film um die eigene Zunge legt. Dazu gesellt sich ein unwiderstehlicher Hauch von Mandarinen, eher die süße Variante, als die Sauren und vor allem eingelegte Nektarinen. Doch jede03201418455Wortgruppe braucht auch Zwischenräume um zu existieren, diese sind vielleicht sogar noch mehr die eigentlichen Drahtzieher, als jene die so im Vordergrund präsent sind. Hier handelt es sich nun um ein Trio in Form von getrockneten Feigen/Pflaumen und Kirschen, diese wieder erneut in der eher eingelegten Version. Vielleicht könnte man es auch, als „malzig“ beschreiben, aber wie ich es in meinen Worten erklären würde, zieht sich durch all dieses genüssliche Geflecht ein gewisser rauchiger sanfter Nebel, der wie ein Geist, leicht und fast unsichtbar über dem Gesamten wacht.

2ndZubereitung: 85-90° / 6-10g auf 500ml / auf 20 Sekunden

Wenn man tief und geübt inhaliert erkennt man, sogar schon im ersten Akt, auch einen gewissen Lakritze und Rosinen-Charakter im Hintergrund, dieses sehr süßlich fruchtigen Geschehens. Aber auch in diesem zweiten Akt, ist klar und deutlich der Honig an erster Instanz und lässt dabei allen anderen Nuancen, die auch schon zuvor die Ehre hatten, erneut Spielraum um sich zu entfalten. Doch in diesem Abschnitt ist der Pfirsich etwas in seiner Präsenz abgerutscht und lässt032014184921dafür anderen Konsorten mehr Entfaltungsfläche, wie die vorher genannten getrockneten Feigen und Pflaumen. Ein wenig erinnert dieses Gesamtbild geschmacklich an die typischste Chinarestaurant-Nachspeise die wohl jeder kennt „Überbackene Früchte mit Honig“. Somit endet auch die offizielle Verkostung, aber inoffiziell lässt sich dieser wahrlich köstliche Tropfen insgesamt fünf Mal aufgießen und dies sehe so aus:

Weitere

Zubereitung III: 85-90° / 6-10g auf 500ml / auf 30 Sekunden
Zubereitung IV: 85-90° / 6-10g auf 500ml / auf 1 Minute
Zubereitung V: 85-90° / 6-10g auf 500ml / auf 2 Minuten

Fazit2.0

Nun hat ein neuer Abschnitt begonnen und dieser sogleich auf eine solch unglaublich geschmackvolle Art und Weise. Besser kann ein Start kaum laufen. Im Grunde gibt es an diesem wundervollen Blatt nichts zu bemängeln, vor allem da es der Erste seiner Art war, der seinen Weg auf ZeroZen und auch in meine Tassen gefunden hat. Der einzige Grund, warum im Geschmack ein halber Punkt fehlt, ist nur mein persönlicher Geschmack, denn im Grunde ist dieser Tee perfekt, aber trifft nicht zu 100% das Aroma, welches mir persönlich besonders mundet. Dennoch erkenne ich, wenn einem Blatt besonders viel Leidenschaft und Liebe zu Teil wurde und dies erkennt man hier sehr gut. Es ist etwas schwer für mich, den finanziellen Aspekt zu bewerten, darum auch eine 9 mit Fragezeichen (?). Denn der Preis ist mit knapp 30€ auf 50g nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber wenn man bedenkt, dass hier alles per Hand gearbeitet wurde und man etwas bekommt, dass nicht aus einem Massenbetrieb stammt, dann sind 30€ wahrlich nicht viel, in Anbetracht von dem was man dafür erhält. Ich kann am Ende wirklich nur jedem empfehlen, diesen Tropfen einmal zu testen, da man solch einen Tee nicht alle Tage bekommt und genießen kann. 

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2 Gedanken zu „Oriental Beauty Pinglin

  1. Hallo Phillipp, da wollte ich nur mal kurz schauen, was die deutsche Teelandschaft noch zu bieten hat und werde auf der Titelseite von „Die Kunst des Tees“ direkt auf Deinen Blog verwiesen. Schöner Bericht, schöne Bilder und klasse beschrieben! Teetalk ruled! Tobias

    • Vielen dank, ich tue mein Bestes :). Freut mich auf jeden Fall, dein Feedback zu hören. Ich wünsche dir noch viel Spaß auf meinem Blog und vor allem mit dem genießen von Tee 😉

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