Wenshan Pouchong / Baozhong

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Allgemeines2.0

Diesmal geht es erneut zu jener Familie zurück, in der insgesamt drei Generationen eifrigst mit anpacken, den Chen’s. Mit ihrem Oriental Beauty hatte ZeroZen erstmals vor wenigen Wochen sein Debüt fernab japanischer Gefilde. Nun ist es ein zu ca. 15-20% oxidierter Pouchong, der seinen Weg in diese virtuellen Tee-Hallen fand. Ob ein Pouchong oder ein Oriental Beauty produziert wird entscheidet sich jedes Jahr aufs Neue, da beide aus dem selben Strauch gewonnen werden. Hierbei kommt es auf die Saison und die Qualität der Blätter an, wie sie am Ende weiterverarbeitet werden.

Ich erfuhr, dass Teemeister und Oberhaupt der Familie Mr. Chen, ein wahrlich sympathischer Artgenosse zu sein scheint. Als ihn Kwok Ying im Jahr 2009 besuchte, war er gerade dabei den Oriental Beauty fertigzustellen. Obwohl er alle Hände voll zu tun hatte, nahm er sich sofort für sie Zeit, gab ihr voller Stolz seinen Pouchong zum verkosten, erzählte dabei über seine Teesorten und sang ihnen sogar etwas vor. Auf dem Foto kann man einerseits den Teeladen0162014194545erkennen, in dem gerade Mr. Chen, Kwok Ying den Pouchong serviert. Dann ist noch das Grundstück der Familie zu erkennen, wo man die Teesträucher gut erkennen kann und das kleine Häuschen linksseitig ist sowohl Heim, als auch Teefabrik der Familie Chen. Der Platz davor, wird zum auslegen der Blätter, für den Welk-Vorgang verwendet. Auf dem Foto, wo mehrere Beutel abgebildet sind, ist die Ernte eines Tages zu begutachten, wobei jeder Beutel im Schnitt 3-5kg wiegt.

Ich hatte nun schon so einige Pouchong oder wie man sie auch nennt Baozhong in meinen Tassen. Ob dieser jenen gerecht wird oder sie sogar mit seinem Geschmack in den Schatten stellt, das erfahrt ihr nur hier und jetzt, auf ZeroZen.

Trockenes-Blatt-2.0

Die Optik spornt hierbei zu gar anderen Assoziationen an, da hier weder etwas gerollt, noch offen trocken serviert wird. Dafür wurde gezwirbelt, dass jene trockenen Konstrukte fast ungekochten Nudeln auf Potpourri ähneln, wenn da nicht die Farbgebung wäre. Denn diese schimmert bläulich, fast gleich wohin das Auge seine Blicke schweifen lässt. Vor allem drei Blau-Gruppen durchziehen hier ihr Farbspektrum von Violettblau über Kobaltblau hinüber zu Graublau. Dabei lassen sich zwischen all dem einige bräunliche Stängel ausfindig machen, während leicht Pastellgrüne gezielt platzierte Blätter mit einigen Stellen an Maigrün, das Gesamtbild dekorieren. An so manchem Blatt, erkennt man leicht an einigen Stellen rot-bräunliche Akzente.
0162014195822Das Bouquet entfaltet sich auf eine sehr süß, blumige Art und Weise, dessen Kern in Rosen und Jasmin schwelgt, während ein dominanter Akazien-Honig-Flair, wie eine Glasur, über jenem knusprigen Gezwirbeltem liegt. Leicht schummelt sich unter alle dem noch ein dezenter Heu-Charakter hinzu, bevor das Blatt im Dampfe sich ergibt. Doch ganz so eilig haben wir es nun doch nicht, denn bevor dies in die Tat umgewandelt wird, verspricht jenes trockene Konstrukt noch weit mehr Nuancen, die wie ein fruchtiger Cocktail einem eine gekonnte Mischung aus Kirsch/Nektarine/Birne/Mandarine/Aprikose serviert. Diese Fusion ist fast schon der letzte Hinweis, auf jene Freuden die vielleicht noch kommen werden. Hat man seine Kanne etwas vorgewärmt und das Blatt in jenes leicht Sauna-hafte Feld platziert, dann erkennt man hier noch weiters einen sehr schmackhaften saftigen Brot-Flair, der den Wassergehalt im Munde in vorzeitige Wallung versetzt.

FeuchtesBlatt2.0

Nun hat schon der trockene Zustand die Reize und Sinne in solch eine Stimmung der Vorfreude versetzt, dass man nun seine Geruchsorgane startbereit vor der noch geschlossenen Öffnung des Kannendeckels positioniert. Und schon mit dem ersten tiefen Atemzug, als sich die Luke öffnete, setzt die genussvolle Reise genau dort fort, wo sie im trockenen Sein ihr Schlussplädoyer fand und zwar im saftigen dampfenden Schwarzbrot. Dieses wird, wie man es auch bei Sencha schon oft von mir gehört hat, aber nur leicht, mit Worcestershire beträufelt. Nicht schwer zu erahnen, zieht somit dieser Freund, schon zu Beginn, recht Adstringente-Register, die mit ihrer herzhaften Würze im ersten Moment an eine leichte Variante einer Tomatensoße mit italienischen Gewürzen erinnert. Doch0162014212034überschlagen sich hier die Geruchswelten mehrfach in ihrer Entfaltung, bevor der Geruchskolben vermag, sich seiner Sinne sicher zu sein. Denn platziert man mit Ruhe seine Sinne, dann strömt einem unweigerlich eine Woge an Honig entgegen, aber als würde die Basis, auf der dieser Honig seinen Platz fand, gären. Doch unter dieser Basis scheint noch ein Untergrund darunter zu sein, der einen gewissen waldigen Geruch verströmt. Dieser sehr Honig-lastige Überzug ließe sich am Besten, mit allem zuvor genannten, so beschreiben: Ein saftiges Schwarzbrot, mit einer dezenten dünnen Schicht Butter und darauf reichlich schmackhaft süßer Honig. Dabei verstärkt sich dieser Flair immer weiter, je mehr dieses Dampfbad abzukühlen scheint.

Optisch erkennt man nun die gesamte Pracht, jener zuvor gezwirbelten Blätter, die aber nun komplett ihr bläuliches Dasein verloren haben. Dafür präsentieren sich nun ganze zusammenhängende Gruppen von Blättern, an jeweils einem Ast mit vielen Verästelungen, in solch satten Olivgrün-Tönen. Diese werden meist noch an den gezackten Rändern der Blätter mit rot-bräunlichen Verläufen verziert.

1stZubereitung: 90° / 10g auf 500ml / auf 2 Minuten

In dem Augenblick wo der erste Tropfen, dieser anmutenden goldgelben Tassen, die eigenen Sinne benetzt, laufen diese auf Hochtouren und eine Assoziationen jagt die nächste. Das erste, was mir durch die Sinne schoss, war das schon zuvor genannte Gefühl von einem saftigen Schwarzbrot auf dem eine Schicht leichte Butter platziert wurde, aber wichtiger, viel Honig seine Unterlage fand. Doch, und nun kommt die erste kleine Abweichung, bleibt dieses Brot-Konstrukt nicht alleine, denn über all dies legt sich eine wahrlich leichte Scheibe von Butterkäse, sehr mildem wohl gemerkt. Ist erst einmal dieser Abschnitt verarbeitet, ziehen gleich die nächsten Assoziationen ihre Schlüsse, da bei genauerer Geruchsentfaltung, durch den gewissen Gärungs-Charakter ein weiterer Akteur mit dem Honig im Hause steht. Dieser erinnert an Met, nur ohne Alkoholgehalt, dabei unterstreicht diese Szenerie ein dezenter Hauch von nussigem Flair, genauer definiert von Weizen-Getreidekörnern, im Unterton.
0162014205926Kühlt sich der Pouchong etwas ab, entwickelt sich sein Charakter ein Stück weit weg vom einstigen Brot-Dasein und widmet sich nun verstärkt, dem blumigen Anleihen, aus Rosen und Jasmin, die noch aus dem trockenen Akt in Erinnerung blieben. Der Honig-Anteil bleibt weiterhin stark präsent, nur ist dieser in der Kombination mit den blumigen Nuancen viel runder und abgestimmter in seiner Erscheinung, als er es noch zu Brot-Zeiten vermochte. Diesem Blatt scheint eine gewisse Abkühlung wahrlich Gutes zu tun, da sich so sein eigentliches Potential erstmals entfalten kann. Im Hintergrund schwimmt ein leichter Hauch eines Blattsalates mit jenen genannten Weizenkörnern mit, die im Paket eine gewisse leicht säuerliche Struktur mit sich ziehen. Fragt man sich vielleicht „Da ist doch noch etwas?“, dann könnte man damit nicht ganz so falsch liegen, denn wie ein leichter seifiger Film platziert sich hier ein Aroma aus Trüffel auf dem eigenen Gaumen und lässt diesen noch lange, nach dem letzten Schluck damit spielen.

2ndZubereitung: 95° / 10g auf 500ml / auf 1 Minute

Hier schlägt die Uhr nun gleich auf „Blumig“, aber viel subtiler und leichter, als ich es sonst von einem Pouchong gewohnt bin. Auch farblich verliert, ab dem zweiten Aufguss jener Tropfen an Substanz. Kühlt das ganze Geschehen erneut ab, erfährt die Struktur jenes flüssigen Inhalts, der eigenen Tassen, noch einen guten Schuss an Cremiger-Substanz. Diese wird geschmacklich, nun stärker, von016201421161einem leicht säuerlichen Konstrukt getragen, welches am Rang des Anführers, eine kleine beschauliche Arme aus Trüffeln, ihr Eigen nennen kann. Wie es oft bei Formosa der Fall ist, erkennt man auch hier einen gewissen Rosenseifen-Flair mit einem Schuss Parfüme, das die Zunge und den Gaumen, wie einen geschmackvollen, lieblichen Film überzieht. In diesem Nachhall schwimmen auch erneut die Anleihen von Getreidekörnern mit.

WeitereZubereitung III: 95° / 10g auf 500ml / auf 1:40 Minuten

Hier wird es weitaus wässeriger/süffiger, als ich es gewohnt bin und als es im Akt davor noch der Fall war. Die Nuancen bleiben die Selben, nur in einer weitaus leichteren Manier alla „Trüffel-Brot-Kerne-Rose-feine säuerliche Note“

Zubereitung IV: 95° / 10g auf 500ml / auf 4 Minuten

Nun wollte ich es erneut genau wissen und versuchte einfach alles aus diesem Pouchong heraus zu kitzeln. Doch selbst eine Behandlung von 4 Minuten, lies ihn nicht stärker in seiner Entfaltung werden, sondern verblieb genau in der selben Manier, die er schon in der dritten Variante besaß. Somit ist dieser Pouchong an seinem Zenit angelangt. In dieser Stärke ließe sich dieser Schritt noch bis auf einen siebten Aufguss fortsetzen.

Fazit2.0

Auf seine Weise, sind der Duft und das Aroma wahrlich bezaubernd, dennoch viel mir schon zu Beginn sein leichter Charakter auf. Zielt man eher auf etwas leichtes ab bzw. liegt dem eigenen Gaumen dieser typisch intensiv blumige Flair nicht so sehr, dann ist dieser Pouchong in seinem Segment eine wirklich gute Entscheidung. Sieht man die Sache aber aus einer rein „Pouchong/Baozhong-Sicht“, dann ist dies nicht das Ende der Messlatte und es bleibt noch ein gutes Stück Spielraum nach oben. Ich kenne ihn einfach kräftiger und mir persönlich liegt dies etwas mehr. Dennoch denke ich mir, dass für jene die es lieber subtiler und nicht so überladen haben wollen, dieser Pouchong Top ist. Ich persönlich würde mir diesen Pouchong dennoch nochmals zulegen, einfach aus dem Grund um ein wenig Abwechslung in der Teestube vorzufinden, besonders, wenn man schon einen intensiven Pouchong im Schrank stehen hat. Mit 23€ auf 50g ist man mit dabei und das ist auch gut so. Somit bleibt mir nur noch zu sagen, möge ein guter Tee mit euch sein und bis zum nächsten Mal auf ZeroZen.

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