Tie Guan Yin Supreme

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Allgemeines2.0

Der Tie Guan Yin (oder Tie Kuan Yin), was übersetzt soviel wie „die eiserne Göttin der Barmherzigkeit“ bedeutet, war damals nur dem Kaiser und den adeligen vorbehalten. Dies war im alten China über Generationen hinweg der Lauf der Dinge, bis sich erst mit den Jahrhunderten der Teekonsum auf die breite Masse ausdehnte. Wie seine ursprüngliche Herkunft, sein Original wenn man so will und seine Legenden, kommen diese blumigen, zu Knospen gerollten Blätter aus Anxi, nahe dem Wuyi Gebirge, in China. In Taiwan wird diese Art ebenfalls hergestellt, wenn auch weitaus stärker fermentiert. Während die Ernte im Frühling kräftiger im Geschmack ist, verleiht die Ernte im Herbst dem finalen Produkt einen stärkeren Duft und ein seidiges Gefühl auf dem Gaumen. Eine weitere Anspielung auf den Namen, wird dem Klang zugesprochen. Denn „Tie“ bedeutet „Eisen“, dieser Klang sollte ertönen, wenn die losen Knospen in der jeweiligen Kanne am Boden aufkommen.

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Der höchste Grad unter den Tie Guan Yin ist der „Monkey Picked“ (vom Affen gepflückt). Diese Bezeichnung rührt aus der Legende her, dass angeblich einst buddhistische Mönche, Affen das pflücken von für Menschen zu hochgelegenen Blättern, erlernten, um so an die wahrlich guten Blätter heranzukommen, die in den Bergen von Wuyi gediehen. Diese wurden dann unter Vorbehalt nur dem Kaiser, damals Qian Long (1741), erbracht. Dieses Datum setzt auch ungefähr den Zeitraum an, in dem dieser Tropfen und diese Art von Tee, das erste Mal Erwähnung fand.

Doch ist jenem feinem Trunk eine Legende nicht genug, denn neben dieser Legende der Affen, stehen zwei weitere ebenfalls oftmals im Vordergrund entspannter Teerunden.

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Eines bleibt vorab ident, denn in jeder Legende spielt der damalige Kaiser Qian Long, eine gewisse Rolle. Hier, so erzählt man, hat einst ein Gelehrter Namens Wang, eine Teepflanze entdeckt, die zwischen dem Guanyin Felsen gedieh. Daraufhin nahm er sich eine Pflanze mit und setzte sie bei sich zu Hause angekommen ein. Ab da an so sagt man, erntete er jeden Frühling seine Blätter. Irgendwie schaffte er es, im Namen seines Dorfes vor dem Kaiser zu erscheinen und bot ihm als Geschenk seinen Tee an. Dieser war sichtlich begeistert und benannte den Tee fortan nach dem gleichnamigen Felsen und dem Klang den die Knospen entfachen, wenn sie den Boden der Kanne berühren.

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Während der Regentschaftszeit des Kaisers Long, gab es in der Fujian Region einen verwahrlosten Tempel, gewidmet der Göttin der Barmherzigkeit. Eines Tages kam der verarmte Bauer Wei Yin an jenem Tempel vorbei und ihm tat es weh zu sehen, wie der Tempel verkam. Zwar fehlte ihm das Geld und die Mittel in zu restaurieren, aber er kam zwei mal im Monat vorbei und reinigte die Hallen und zündete Räucherstäbchen zu ehren der Göttin an. Eines nachts erschien die Göttin ihm im Traum und erzählte ihm, dass hinter dem Tempel, in einer Höhle ein Schatz auf ihn warte, den er mit den anderen teilen solle. Am nächsten Morgen eilte Wei zu dem Tempel und entdeckte tatsächlich dahinter eine Höhle, die ihm bis dato nie aufgefallen war. In dieser fand er einen einzigen Spross einer Teepflanze. Diesen nahm er mit nach Hause, hegte und pflegte ihn, bis er zu einem prächtigen Busch herangewachsen war. Er war so begeistert von diesem Tee, dass er ihn an seine Nachbarn weitergab und verkaufte. Zu ehren der Göttin der Barmherzigkeit, benannte er ihn nach ihrem Namen. Diese Legende ist in der Gegend immer noch sehr verankert und es wird sogar ein Baum, der dort wächst, als das Original angegeben. Neben diesem Baum, in einer der Gesteine der Klippen, ist als Andenken, jener Name, des Bauern Wei Yin eingemeißelt.

Diese Popularität ist seit damals nicht abgeklungen und hat „leider“ sehr viele Nachahmer auf den Tagesplan gerufen, die ebenfalls ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Das hierbei oftmals nicht das selbe Ergebnis erzielt wird, liegt fast schon auf der Hand. Darum gibt es immer mehr Tie Guan Yin auf dem Markt, die im Grunde keine sind. „The real deal“, also der echte Guan Yin sollte sehr blumig sein und nach Orchideen schmecken. Was er auf keinen Fall sollte, ist bitter sein oder in irgend einer Form grasig schmecken. Wichtig ist auch der Nachgeschmack, denn dieser sollte sehr lange am Gaumen haftend verharren. Zwei weitere Indikatoren sind einerseits der Klang, der wie schon so oft erwähnt, metallen Klingen soll, wenn die Knospen in der Kanne aufkommen und um gleich bei den Knospen zu bleiben, sollten diese sehr eng gerollt sein.

Dieser Tie Guan Yin ist eine grüne Variante, auch genannt „Mao Cha“ und wurde von einem Teemeister, unabhängig der Familie die ihn anbaut, veredelt. Ob nun diese Göttin, all dies beinhaltet von dem wie es sein sollte bzw. ob sie sich uns auch barmherzig zeigt und den Gaumen mit einem geschmacklichen Feuerwerk belohnt, das erfahrt ihr genau hier und jetzt, auf ZeroZen.

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Hier erkennt selbst ein nicht geschulter Geruchssinn, dass etwas blumiges im Gange ist und so ist es auch. Schon hier wird einem bewusst, dass man ein Original vor sich, noch ruhend hat. Dieser ungemein blumige Orchideen-Flair ist wahrlich ein Traum der Sinne und beflügelt die Geruchsknospen auf eine solch aromatische Art und Weise, mit weiters zusätzlichen Nuancen von Honig, süßen Weintrauben, sehr süßen Johannisbeeren, Nektarinen und sogar ein wenig Kirsche, aber dies vielmehr in Zuckervariante von Bonbons. Im hintersten Hintergrund erkennt man dezent einen Hauch von Blattsalat.

Somit zieht sich gleich die Anspielung auf das Blatt, in diesem Fall auf die noch geschlossenen, gerollten Knospen. Diese Technik nennt man „Baorou“. Hier erkennt man teils leicht längliche und teils zu Kugeln geformte Blätter. Diese lassen schnell erkennen, dass wie üblich, nicht nur Blatt dieses Werk ziert,115201405233sondern auch einige Äste bzw. Zweige, die den dunkelbraunen Aspekt in diesem optisch trockenen Gedicht ausmachen. Doch ist dies eher die Randfarbe, während ein saftiges blaugrün und ein sattes grün mit einem Gelbstich die Farbpalette dominiert.

Streift ein wenig warmer Atem über dieses gerollte Werk, entwickelt sich ein sehr brotiges Feeling mit einer guten Mischung aus Zucchini und Feldgurke.

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Hier dominiert eindeutig der Flair von Orchideen und Honig in all seiner Pracht. Auch der aus dem Atem entstandene „Brot-Touch“ eröffnet einer gewissen Adstringens ihre leichte Präsenz. Doch ist die süße Dominanz hier nicht zu verleugnen und so ergeben sich gekonnt Akzente von weihnachtlichen Keksen, geröstetem Sesam, Spekulatius und ein solch saftig, ungemein geschmackvollens Gesamtbildnis, dass man schon danach giert, endlich einen Tropfen jenes Nektars auf dem Gaumen zu verspüren. Das offene Blatt ist wundervoll1152014152zu betrachten. Hier sind nicht nur unzählige Blätter im Gesamten erhalten, auch findet man den bekannten leichten Rotschimmer auf ihnen wieder. Dieser war früher ein Garant dafür, die Authentizität eines echten Guan Yin zu bekunden. Leider ist es heute, mit den unzähligen Vertreibern und Gebieten, die sich schon lange nicht mehr rein nur auf China und Taiwan beziehen, nicht mehr von Belang, dies als Garantie für Qualität des originalen Kultivars heranzuziehen.

1stZubereitung: 100° / 8g auf 200ml / auf 1 Minuten
Zubereitung: 100° / 16g auf 400ml / auf 1 Minuten

Ich habe diesen Tropfen mehrfach verkostet. Auf den Fotos könnt ihr erkennen, dass dies die gewichtigere Variante ist, in der ich mehr Blatt, auf einer größeren Menge an Wasser verwendet habe. Diese Methode ist nicht zu empfehlen. Bei diesem Tropfen, um wirklich am Meisten vom Geschmack zu ergattern, ist es die beste Variante, Gongfu Cha zu benutzen.

Hier entfacht der erste Schluck ein solch balsamierendes Gefühl, welches einem sofort die Nase hoch steigt und sich auf den Nebenhöhlen ausbreitet. Auf dem Gaumen ergibt sich ein ungemein samtartiges Empfinden, das geschmacklich in einem höchst aromatisch blumigen Orchideen-Honig-Flair übergeht. Nussig ist auch leicht der Sesam zu vernehmen, während es sich ein Buttertoast mit einem11520140570Hauch Erdbeermarmelade bequem zu machen scheint. Wie schon zuvor erkennt man hier vieles, dass schon im Vorfeld zu erahnen war. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch hier Nuancen von Nektarinen, Johannisbeeren und Weintrauben zeigen, aber diese nun eher in Form ihrer Kerne. Neu hinzu kommt ein Hauch von Himbeere, aber ohne einem säuerlichen Gehalt.

Kühlt das gesamte Paket etwas ab, wird es weitaus cremiger in seiner Konsistenz. Doch so wie das Gefühl zunimmt, nimmt hier der Geschmack sichtlich ab. Denn hier entwickelt sich alles langsamer und subtiler. Während man am Anfang nur merkt, wie cremig alles geworden ist, entwickelt sich darauf der blumige Orchideen-Charakter. Neben diesem , ist es das Brot, welches noch am intensivsten zu verspüren ist und einem zarten Hauch von Sesam den dritten Platz vergönnt.

2ndZubereitung: 100° / 8g auf 200ml / 30 Sekunden
Zubereitung: 100° / 16g auf 400ml / auf 3 Minuten

Leicht metallisch, etwas säuerlich, eröffnet sich hier der zweite Akt den eigenen Knospen. Auch steigt der Grad des Eigelb-Tons etwas mehr an, was sich in einer Porzellantasse bzw. eine Tasse mit weißer Beschichtung, am Besten erkennen lässt. Hier geht der samtartige Teil auf dem Gaumen ein paar Schritte zurück, dafür erkennt man gleich hier einen sehr großen Brot-Anteil in dieser Runde. Noch immer vernimmt man das Bouquet von Keksen und Spekulatius, im Halb-Hintergrund sozusagen. Nicht zu vergessen, ist der blumige Orchideen-Flair, der11520141133auch hier eine gewichtige Rolle spielt. Dennoch ist dieses Gewicht nicht so massiv, wie im Akt davor, vor allem nicht mit der 400ml Variante. Im Nachklang erkennt man fein den nussigen Anteil erstmals in Form von Walnuss, aber auch erneut Sesam und den obligatorischen Weintraubenkernen.

Kühlt es erneut ab bzw lasst man es soweit kommen, wird es sehr buttrig in der Struktur und vor allem Süß, aber keinem Geschmack zuordnend, sondern in Form von einigen Stücken an Süßstoff, die in jene Tassen gelangt zu sein scheinen. Dazu gesellt sich ein wahrlich minimaler Schuss Zitrone. Hier ergibt sich der Nachhall sehr blumig und im Echo mit ein paar Weintraubenkernen bestückt.

WeitereZubereitung: 100° / 8g auf 200ml / 2 Minuten
Zubereitung: 100° / 16g auf 400ml / auf 8 Minuten

Nehmt die kleinere Variante, denn großes tut diesem Werk nicht gut. Um seine wahre Größe zu schmecken, sollte man sich auf kleine Behandlungen fokussieren. Mit der Menge von 400ml war in diesem Fall die Luft, selbst nach 8 Minuten des Ziehens, fast gänzlich entwichen. In der Gongfu Cha Variante, nach gut 2 Minuten, war dies sogar der beste Aufguss von allen und konnte mit allen Nuancen aus dem ersten Akt in wahrlich intensiver Form voll und ganz auftrumpfen. Fährt man klein, kann man diesen Tropfen gut und gerne an die 6-7 Mal genießen.

Fazit2.0

Dies war nicht mein erster TGY, aber ein wahrlich köstlicher. Sein blumiger Flair, kommt vor allem in der Gongfu Methode grandios zur Geltung. Zwar verzeiht dieser Freund sehr viel, aber dieses „Viel“ bezieht sich eher auf die Ziehzeiten. Diese erzielen selbst bei langer Zeit, wahrlich gute Resultate. Doch abkühlen, sollte man diesen Tropfen nicht lassen, dafür ist sein Charakter nicht geeignet. Und wie schon gesagt, sollte sich seine Zubereitungsweise auf kleine Gefäße beschränken, auf diese ist auf die Entwertung bezogen. Mit ca. 18€ auf 80g fährt man wirklich gut und ist für diese Qualität schon eher im günstigen Segment. Somit bleibt mir nur noch zu sagen, möge ein guter Tee mit euch sein und bis zum nächsten Mal auf ZeroZen.

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