Frühlingstau – „Chunlu“

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Wer zwischen Himmel und Erde,
versteht den Tanz der Teeblätter?
Süß, Sauer, Bitter, Scharf,
in einem Becher Tee finden wir unser
ganzes Leben.
Ye Gongjiao

Allgemeines2.0

Diese Verse, sind auf jenem Schriftstück vermerkt, dass Ye Gongjiao, Conny und Bastian Baumgarte, als Geschenk mit auf den Weg gegeben hat. Doch sieht er seinen Weg als Teeist nicht nur auf einem sehr philosophischen Pfade wandern, so ist auch seine Familie seit Generationen im Anbau von Tee tätig, solange schon, das Ye Gongjiao sich nicht mehr entsinnen kann, wann dies alles seinen Anfang nahm.

Und der „Anfang“ läutet heute in mehrfacher Montur die qualitativen Pfade auf ZeroZen und somit dieser Mittwoch Teestunde ein. Denn hier wird nicht nur der Frühling verfrüht, in die eigenen vier Wände gezaubert, auch ein neuer Teefreund, in diesem Fall ein Tee-Ehepaar, gesellt sich offiziell und erstmals zu ZeroZen hinzu. „Jadequell“.

Wie schon in der Einleitung der Unterrubrik „Jadequell“ beschrieben, widmen sich Conny und Bastian Baumgarte mit Leib und Seele der Liebe zum Tee. Darum legte ich mein wachsames Augen eine Weile gen Richtung ihres Online-Portals. Nun kurz vor dem Frühling, steht nun der erste, ihrer edlen Sorten zur Verkostung bereit, der „Frühlingstau“ wie er gekonnt heißt bzw. im chinesischen unter dem Namen „Chunlu“ bekannt ist.

Aber bekannt ist so eine Sache, denn diese kostbare Sorte, ging fast schon verloren und geriet über die Jahre in Vergessenheit. Sie entstammt einem alten Kutivar „Jiukeng Zhong“ und ist für Ye Gongjiao sein Lieblingsstrauch, sowie der Frühling seine liebste Jahreszeit ist. Früher war dieser landesweit berühmt und wurde sogar, als Tribut an den Kaiserhof geliefert. Einige diese Teegärten blieben erhalten. Ye Gongjiao und einige weitere Teehersteller, sind daran bemüht, diese fast nur regional bekannte Sorte zu erhalten und zu bewirtschaften. Um gleich den Sprung in diese sagenhaft schöne Region zu wagen, entspringt dieser Teestrauch in der Region, rund um den „Tausend Insel See“, auf chinesisch „Qiandao Hu“.
1192014124451Die Familie Ye stammt aus einem kleinen Dorf in dieser Region und stellt neben diesem „Frühlingstau, noch zwei weitere Sorten her, den „Drachenbrunnen“ (Longjing) und die „Silbernadel Knospen“ (Yinzhen). Im Frühling helfen alle bei der Teeernte mit und Ye Gongjiao hat sich hierbei strikt auf Premiumqualität spezialisiert, wenn es um seine Teesorten geht. Darum wird im Sommer kein Tee geerntet, da dieser eher nur für Massenproduktion geeignet ist und billig vom Ausland in Mengen eingekauft wird. Diese Art der Produktion wäre im Fall der Familie Ye nicht einmal möglich, da ihre Gärten, dank der Lage, nicht für Maschinen erreichbar wären und somit alles per Hand geerntet wird. Diese Erntezeit beschränkt sich wahrlich nur auf die Hochblüte-Phase von Anfang März, bis aller höchstens Ende Mai, wo das chinesische Fest „Lixia“ zum Sommerbeginn stattfindet.

Das gute an dieser vorsommerlichen Erntephase ist auch das ausbleiben der Scharren an Insekten, die im Sommer den Teeanbau erschweren. Doch selbst wenn dies der Fall wäre, würde Ye Gongjiao lieber einen anderen Weg gehen, als den, wenn es darum ginge Pestizide zu verwenden. Und er hatte nicht zu viel versprochen, denn in Deutschland angekommen, ließen Conny und Bastian Baumgarte, alle Teesorten in einem Labor testen und es wurden wahrlich keinerlei Rückstände von Pestiziden nachgewiesen.

Hao shan hao shui chu hao cha“ – „Gute Berge und gutes Wasser, erschaffen guten Tee“. Und dies ist neben der vorbildlichen Einstellung von Herrn Ye, auch eines der großen Vorteile, den sie mit ihrer Region haben. „Die Lage“. Zwar gehört die Gegend um den Tausend Insel See zum Bereich von Hangzhou dazu, aber ist von jener Hauptstadt 150km entfernt, sodass der Himmel hier in vollstem Blau erstrahlt und zum Gute dieser Gegend keine Industrie, diesen Natur-Schatz verschmutzt.

Neben all diesen Idealen, sind die Familie Ye fast schon „Alleinernährer“. Denn neben der liebe zum Tee, bauen sie für den Eigenbedarf weiters Gemüse, Reis, Wassermelonen, Mais und Chili an. Dabei stellen sie sogar in Eigenproduktion Tofu selbst her. Das Lob ich mir. Ob all diese guten Vorsätze, die idealen Bedingungen und der Aufwand hinter alledem jene Tassen in dieser Teestunden, golden zum erstrahlen bringen oder ob am Ende doch, etwas unheimliches diesen See der Sinne beheimatet, das erfahrt ihr genau hier und jetzt, auf ZeroZen.

Trockenes-Blatt-2.0

Rollt dieses saftig, intensiv, frisch grüne Blattwerk zum ersten Mal in eine Schale, um einer Beobachtung zu unterliegen, erkennt ein wachsames Auge, dass diese Pracht nicht so im Ursprung seiner Ur-Form war. Und bei dieser Annahme liegt man genau richtig, denn nach dem Pflücken, welken jene Blätter einige Zeit vor sich hin, damit sie anschließend in einem heißen Ofen erhitzt und später zu diesen teils runden, teils länglichen Schnecken/Kugel gerollt werden. Wie schon erwähnt ist das Grün dieses geformten Werks ein wahrer Traum und selbst wenn man die Vorgeschichte nicht kennen würde, genüge ein Blick auf jenes Blatt und man könne erkennen, dass hier die Qualität zu Hause ist oder ein guter Airbrush-Künstler – Psst kleiner Spoiler: ist hier aber nicht der Fall.

Der Geruch setzt zwar zu keinen Höhenflügen an, aber was er bietet unterstreicht genauestens den optischen Flair dieser grünen Kügelchen. Hier entspringt ein ungemein frischer Charakter aus jenem Beet, dessen grasig1192014125057saftiger Wiesenblumen Touch ein Bouquet verströmt, welches fein würzig, neben Kräutern, besonders durch den Flair von Gänseblümchen und Löwenzahn unterstützt wird.

Kommt ein wenig Dampf hinzu, sei es durch den eigenen Atem oder der vorgewärmten Kanne, dann erkennt man erstmals das saftige Brot-Aroma, welches es am Anfang seines Schaffen steht.

FeuchtesBlatt2.0

Dieser trumpft gekonnt in seinem wahrlich dampfenden Akt, mit einem genüsslichen Adstringenten-Flair auf, dass einem neben dem Gedanken an Worcestershiresouce, auch die eigenen Säfte im Munde zusammen treibt. Generell liegt die Dominanz in diesem Spiel unumstritten im Feld von gemüsigen Anleihen verankert. Dies entspringt einer solch starken Natur, dass der Ansatz und die Intensität, fast schon an einen Sencha erinnert (aber nicht in der Wiedergabe der Aromen). Nicht nur die Familie Ye baut eifrig an, was ihre Beete1192014131458an Ertrag bringen können, auch dieses dampfende Feld aus nun geöffneten Blättern, lässt einen Akt des Schnupperns gewähren, dessen natürliche Anreize gekonnt in Szene gesetzt werden. Hier erhascht eine feine Nase Nuancen von Zucchini, mit einem Schuss Würze versehener grüner Bohnen bzw. Edamame dampfend heiß, einigen gezielt platzierten Fisolen und einer Handvoll grüner Erbsen, die eine unterschwellige Süße, tief im Untergrund mit sich tragen.

1stZubereitung: 80° / 12g auf 400ml / auf 1 Minute

Auf Grund der Menge zum Wasser, hätten es eigentlich 16g sein sollen, da für 200ml, 8g empfohlen werden, sofern man 3 Aufgüsse genießen möchte. Dies tat ich zuerst auch, doch ich empfand die Stärke, dank der Menge von 16g, als zu intensiv.

Hier erhascht man im ersten Moment den Schwall von Süßem, bevor sich geschmacklich der Faktor der Gemüsesorten bereit macht, in Angriffsstellung zu gehen. Dabei kommen diese völlig transparent, zart gelben Tassen, ungemein buttrig cremig daher und tragen in ihren ersten Ansätzen, sowohl Süße, als auch1192014125819eine gewisse Würze in sich. Das Gemüse in Form von Erbsen, Paprika, Zuckerschoten und feinst geschnittener Salatgurke, wird hierbei von einer leicht herb-säuerlichen Adstringens getragen, die einem abschließenden süßem Flair von Nashibirne, mit einem Hauch Nuss, erlaubt, sich im Echo des Ausklangs zu verewigen.

2ndZubereitung: 80° / 12g auf 400ml / 1 Minute

Zwar entweicht die Butter aus diesem cremig dampfenden Nass, aber dafür gedeiht die Würze in all ihrem Sein und prescht pfeffrig mit nur einem Ziel nach vorne – Den Ansturm auf die Geschmacksknospen. Diese verfallen sogleich in ganz andere Assoziationen, da man nun fast glauben könnte einem erstklassigen hochkarätigen Maofeng zu unterliegen. Fast man alles, was im ersten Moment durch den Raum der Sinne zu wirbeln scheint, zusammen, dann ergibt sich aus119201413552alledem ein saftiges Brot, welches dezent mit Butter bestrichen und mit feinem leichten Pfefferschinken und Gurkenscheiben belegt wurde. Neben dieser verbildlichten Wiedergabe des Erschmeckten, erkennt der wachsame Gaumen geröstete gebrannte Nüsse, vor allem Erdnüsse und Mandeln, aber ohne Zuckerglasur. Doch auch der Gras/Wiesen-Faktor aus dem trockenen Akt dringt11920141335nun auch etwas durch und lässt den Hauch feiner Kräuter die Sinne liebkosen. Hier erzeugt der süße Anteil mehr Gewicht im Vergleich zum Würzigen, als noch im Akt davor und lässt diesen noch lange im Nachhall mit dem Gaumen spielen.

WeitereZubereitung: 80° / 12g auf 400ml / 2 Minuten

Setzt man die Qualität im Rahmen des Geschmacks an und betrachtet dies aus den ersten beiden Ansätzen heraus, dann erlebt man hier einen Hochgenuss. Geht man von mehreren Aufgüssen aus, dann ist man mit diesem Dritten, langsam an Ende angelangt, außer man dosiert wahrlich hoch. Doch hier sei zu beachten, dass dieses kostbare Blatt nicht alles verzeiht, wie so manche chinesische Sorten es tun. Hier sollte man sich strikt nach Zeitplan halten und nicht weit darüber kommen, sonst geschieht es recht schnell, dass die1192014131010dampfenden Tassen einen gewissen bitteren Gehalt erlangen. Doch selbst wenn dies geschieht, ist dank der Qualität dieser Blätter, kein Tropfen verloren und ist trotz gewisser rauer Züge, immer noch sehr charmant zu genießen. Ab dem vierten Akt, sofern man nicht höher dosiert hat, erhascht man kaum noch Nuancen, außer von dem eines Blattsalates und einem leicht metallisch säuerlichen Flairs. Hält man sich an den Plan der Zeit und Menge, kann man diesen Tropfen auch sehr gut, in abgekühlter Montur genießen.

Fazit2.0

Kein Wunder das Ye Gongjiao diesen Tropfen so sehr liebt, denn dieser ist wahrlich optisch und geschmacklich ein Traum in seiner Entfaltung. Zwar wird hier nichts gänzlich neu erfunden und zieht sogar gewisse Anleihen zu einem hochkarätigen Maofeng, aber seine Balance in seinen Nuancen und wie er veredelt wurde, machen seinen unwiderstehlichen Charme aus. Man sieht, spürt und schmeckt förmlich die Natur aus diesem Tropfen heraus, als könne man dieser sagenhaften Natur beiwohnen, mit jedem Schluck den man tätigt. Einzig und alleine, als Dauerbrenner ist er nicht gedacht, denn hier zählen am meisten die ersten beiden Aufgüsse und das anfänglich trockene Blatt wird in seinem Bouquet, dem Darauffolgendem nicht ganz gerecht. Mir hat dieser Tropfen ungemein Freude bereitet und ich bin froh noch etwas in Reserve zu haben, um diesen Chunlu noch ein weiteres Mal genießen zu können. Somit bleibt mir nur noch zu sagen, möge ein guter Tee mit euch sein und bis zum nächsten Mal auf ZeroZen.

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