Bi Luo Chun Supreme

bannerbiluo
Allgemeines2.0

Seit dem Bestehen von „Die Kunst des Tees“ arbeitet Kwok Ying von Beuningen, mit der Grün Tee Spezialistin Frau Huang zusammen. Diese kümmert sich vor Ort in China, um die Qualität und den Fund einmaliger Sorten. Zwar konnte ich ein Foto jenes Teemeisters erhaschen, doch der Name will geheim bleiben. Dieser übt seine Kunst in Suzhou aus, wobei der Teegarten selbst außerhalb, in den Dongting Bergen liegt. Suzhou ist bekannt für seine starke kulturelle Verbundenheit, seine Gärten und sein Kunsthandwerk. Hier findet man fast an jeder Ecke Studenten, die alte Gassen oder historische Gebäude skizzieren/zeichnen.
1282014171914Auf dem Hügel, an dem dieser spezielle Bi Luo Chun (man schreibt ihn des öfteren auch Pi Luo Chun) gedeiht, reihen sich auch andere Tee-, Pfirsich- und Pflaumenbäume in die Szenerie ein.

Der Ursprung dieses berühmten Grün Tees, geht weit in die Geschichte zurück und liegt irgendwo in der Ming Dynastie (1368-1644) verwurzelt. Seine eigentliche Bezeichnung war einst „Xia Sha Ren Xiang“ was soviel wie „Unglaublicher Duft“ bedeutet. Seine bis heute bekannte Betitelung, die übersetzt „Grüner Schnecken Frühlingstee“ bedeutet, hat seinen Hintergrund in drei Umständen. Erstens ist es ein Grün Tee, zweitens hat er durch seinen gerösteten Zustand eine gekräuselte Form, welche im optischen Vergleich mit Schnecken in Verbindung steht und zu guter Letzt, wird er im Frühling geerntet.

Dies sah auch Kaiser Kang Xi, denn geschichtlich betrachtet, wurde ein Ereignis festgehalten, in dem er die Gegend um Suzhou ca. im Jahre 1699 (Qing Dynastie) besuchte. Dort wurde ihm jener Tee gereicht. Der Kaiser empfand zwar, dass sein ursprünglicher Name ihm gerecht wurde, aber seine Bezeichnung trotzdem nicht das auszusagen schien, was wahrlich dieser Tee für ihn ausstrahlte. Und somit benannte er ihn um, zu „Bi Luo Chun“. In der Tee-Enzyklopädie von Cha Shuo, welche ebenfalls in der Qing Dynastie entstand, wird dieser Tee sogar, als der beste aller Grün Tees genannt, noch vor dem Longjing, der am zweiten Platz stand.

Die Bezeichnung „Unglaublicher Duft“ hält sich noch unter manchen bis heute und verdankt diesem Zustand erneut einer Legende.

biluolegend

Vor Hunderten von Jahren, waren einige Teepflücker gerade mitten in der Ernte, ein Mädchen, hatte dabei ihren Korb schon bis zur Gänze befüllt, aber wollte noch einige Blätter mehr transportieren. So nahm sie die Blätter und füllte ihr Oberteil mit jenen an. Durch den Kontakt mit der Wärme ihrer Haut entstand ein unglaubliches Aroma, welchem diese Bezeichnung zu Grunde liegt.

Es müssen an die 14000 Knospen geerntet werden, um 1kg Bi Luo Chun zu erzeugen, da nur sehr kleine Blätter gepflückt werden. Im Gegensatz zum Longjing, wo die Blätter gegen die Seiten einer erhitzten Pfanne gepresst werden, wird der Bi Luo Chun leicht mit den Händen im Röstvorgang angehoben und in der Luft sorgfältig, sodass keine feinen Härchen zerstört werden, gerollt. Dabei wird ohne Handschuhe gearbeitet, da nur so die Temperatur am besten beobachtet und reguliert werden kann, damit die Blätter nicht anbrennen.
1282014171734Auch der Bi Luo Chun hat Nachahmer, doch diese „Fake“ Varianten kann man recht leicht erkennen. Diese stammen nicht aus der Dongting Gegend, sondern meist aus Zhejiang oder der Sichuan Provinz und haben einen eher nussigen Charakter, während echter Bi Luo Chun eher durch seine fruchtigen Komponenten besticht. Optisch sind sie meist auch unterschiedlicher Größe innerhalb eines Tees und weisen unüblich gelbe Blätter auf.

Nun ist eines mit Sicherheit zu sagen, hier ist kein Fake in die Tassen dieser Teestunde gelangt, soviel vorweg, aber reicht diese Tatsache aus, dass am Ende ein glorreicher Tee diese Verkostung beehrt hat oder fielen am Ende nicht nur dem Blatt selbst, vor Schreck die feinen Härchen aus? Das erfahrt ihr genau hier und jetzt, auf ZeroZen.

Trockenes-Blatt-2.0

Schon die optische Präsenz regt zu einer genaueren Begutachtung ein. Besonders diese feinen Härchen machen einen sehr edlen Eindruck und weisen schon im Vorfeld, gezielt darauf hin, dass diesem Bi Luo Chun geübte Hände zu Teil wurden. Das geringelte Werk erweist sich prozentual, als eine Basis aus olivgrünen und weißen Farbaspekten.

Der Duft hat etwas sehr eigenes und interessante Ansätze, die man sonst, nicht so leicht anfindet. Bekannt ist natürlich der grasige und vor allem frische Kräuterflair, der sich im Verlauf der Aufgüsse, in ein altbekanntes Rosmarin-Dasein wandelt. Besonders das Bouquet aus Essiggurken, ohne Essig, sticht1282014171534markant aus dem Geschehen hervor. Zwar schwimmt eine gewisse Adstringens in diesem Akt mit, aber stammt keines Falls von jenem Aroma. Süß wird es hier sowohl mit dem Anteil an Obst, in Form von Birnen, als auch im Gemüse-Sektor mit süß frischem Paprika.

Kommt der gute alte warme Hauch hinzu, dann macht sich der Vorbote der Adstringens weitaus intensiver bemerkbar und dies in einer solchen Ausdrucksweise, wie ich es selten auf diese Art erlebt habe. Zwar bestehen seine Komponenten auch aus einem sehr saftigen Schwarzbrot, einem feinem weichen Käse alla Brie bzw. Camenbert, aber der Worcestershire-Touch fehlt gänzlich. Dafür erhascht man abseits in minimalster Montur feine Aromen von süßem Mais.

FeuchtesBlatt2.0

Die Adstringens erfasst einen wie ein heftiger, wenn auch genüsslicher Schlag ins Gesicht, aber auf diese imaginäre Art und Weise, lässt man sich gerne schlagen. Denn diese Kraft die aus jenem dampfenden Blatt, fein säuerlich hervorgeht, pfeift wie ein kleiner Orkan durch die eigenen Geruchswindungen hindurch. Hälfte / Hälfte heißt die Devise, denn hier teilt sich nicht nur Süß mit Sauer,128201417484sondern auch Gemüsigem mit Fruchtigem, das Feld. Aromatisch erinnern gewisse Aspekte aus diesem Zusammenspiel an Edamame, dampfend heiß und an Obstschalen diverser Sorten, wie Äpfeln und Birnen, mit mehr Anteil an Schale, als an Fruchtfleisch. Fast man diesen dampfenden Akt der Sinne in Stichworten zusammen, dann wären diese: „Würzig / Rauchig / Gemüsig / Satt / Deftig / Süß / Adstringent.“.

1stZubereitung: 80° / 6g auf 400ml / auf 2 Minuten

Diese hell transparent gelblichen Tassen, ergeben sich in einem wundervoll nussig, fruchtig, würzigem, leicht geröstetem Mundgefühl, welches wahrlich ausdrucksstark seine Entfaltung präsentiert, aber auch dazu neigt leicht herb zu werden. Darum sollte man hierbei vor allem darauf achten, dass keine feinen Blattstücke in den Tassen landen, da diese im Nachhinein nachbittern könnten. Wo man den Mais im Dampfe nur sehr vage erkennen konnte, zeigt er hier seinen Bestand weitaus deutlicher und teilt sich dabei sein Gebiet mit einem1282014172341guten Bündel an Blattsalaten, Gurke, einem leichten Hauch von Erbse und Zuckerschoten. Auch die Haselnuss erweist einem hier die Ehre, zusammen mit einem dezenten Auftritt von warmen Esskastanien. Ein wenig erkennt man auch, weit abseits einen Flair von Schwarzbrot und einen wahrhaft kleinen Touch von Camembert. Der Nachhall ergibt sich erneut in einem Zusammenspiel aus Blattsalaten und Edamame.
1282014172629Nur in einem etwas abgekühlten Zustand wandelt sich die Konsistenz in eine etwas cremige Variante. Auch die Süße verdickt sich, ebenso wie der Hang zur Herbe. Im ersten Moment eines Schluckes, überkommt einem ein wahrlich süßer Moment, der wiederum von einem langen herben Abgang gefolgt wird. Doch schafft man es, die feinen Blätter aus den Tassen zu lassen, dann wird man auch mit einer „Herb-Freien-Zone“ belohnt. Hier erkennt man nur zu gut, dass jener Teebaum in der Nähe von Obstbäumen gedeiht, denn man erhascht in diesem Abschnitt sehr gekonnt die Akzente von Birnen, Äpfel und zerkauter Pflaumenschale mit nur geringem Fruchtfleischanteil.

2ndZubereitung: 80° / 6g auf 400ml / 1 Minute

Etwas stärker in seinen hellgelben Akzenten und leicht getrübt, wird auch der Anteil an Würze und Herbe intensiver. Doch generell betrachtet, werden die1282014173838Aromen leichter in ihrer Ausführung. Am meisten erhascht man hier den „Obstschalen-Konsortium-Flair“ und erneut die Essiggurken, ohne dem besagten1282014173420Essiganteil. Und hier erkennt man erstmals, im Zuge dieser Verkostung, diesen typischen chinesischen Grün Tee Flair, der sich in einem Aroma von Rosmarin ergibt.1282014174122Kühlt hierbei erneut alles etwas ab, dann wird es in diesem Zusammenhang herber, als im Akt davor. Markant bleibt auch hier der „Rosmarin-Grün-Frisch-Grasige-Touch“.

WeitereZubereitung: 80° / 6g auf 400ml / 2 Minuten

An dieser Stelle ist eines zu sagen. Der Bi Luo Chun ist keiner jener Sorten, die einem fast alles verzeihen. Hat man nicht ein gewisses geübtes Händchen bzw. eine Waage, ein Thermometer und eine Stoppuhr, wobei man sich penibelst genau nach Plan an die Richtlinien halten sollte, dann kann so einiges schief gehen. Genauigkeit ist verlangt. Farblich bleibt es hier erneut ähnlich in seiner Wiedergabe, wie im zweiten Akt. Nun fügt sich ein leicht metallisches Gefüge, unter die säuerliche Struktur, welches von den spitzen Armen des Rosmarins1282014174518getragen wird. Dieser bleibt auch hier markant dominant, während in der Entfaltung, der herbe Anteil, entfernt an Rucola erinnert. Hier und dar erhascht man noch Nuancen eines saftigen Schwarzbrots, aber nur noch sehr subtil in seiner Ausführung, so wie der Rest dieses Aufgusses. Generell empfiehlt sich, dass Tee-Geschirr langsam, aber sicher zusammen zu packen. Ein weiterer Aufguss wäre meines Erachtens noch genehm, aber danach ist mit diesem auch das Ende angebrochen.

Fazit2.0

Ich hatte schon so einige Bi Luo Chun getrunken, wobei dieser mit Abstand der Beste war und ist. Doch sei zu vermerken, dass man gute Nerven braucht, denn liegen die Nerven etwas locker, dann kann es leicht dazu kommen, von diesem Tropfen zittrig zu werden. Daher empfiehlt sich, vorher etwas zu essen, damit eine Grundlage im Magen vorhanden ist, um die Intensität des Bi Luo Chun abzufangen. Persönlich fand ich ihn sehr gut, aber er wäre für mich kein Tee, den ich oft trinken würde, dies aber nur aus genannten Gründen. Diesen selbigen Effekt haben auch einige Sencha Sorten, da diese auch recht intensiv sind. Aber um wach zu bleiben, ist dieser Tee sicherlich sehr gut geeignet. Geschichtlich mag dieser Tropfen an erster Stelle gestanden haben, bei mir wäre es dennoch der Longjing. Aber wie im Leben, ist dies auch wie so oft Geschmackssache. Somit bleibt mir nur noch zu sagen, möge ein guter Tee mit euch sein und bis zum nächsten Mal auf ZeroZen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s