Pu-erh 6FTM Bangwai 2002 (Sheng)

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Allgemeines2.0

Es ist nun schon ein Weilchen vergangen, seit ein in die Jahre gekommener älterer Herr namens Pu’er seinen Weg in meine Tassen fand. Es war schlichtweg nicht der richtige Zeitpunkt gekommen, denn mein Gaumen wanderte mehr auf gerösteten Oolong Pfaden. Doch das gute am Pu, lässt man ihn warten, wird dieser nur umso besser, anstatt beleidigt zu werden. Denn es ist besser man erlaubt ihm sich an sein neues zu Hause zu gewöhnen, bevor man ihn bittet vor einem zu Baden. Doch an diesem Tag war der Moment gekommen und ich schickte diesen aus dem Jahre 2002 in eine ausgedehnte Bade-Session und welche Düfte er dabei von sich gab bzw. welche köstliche Suppe sein Badewasser hinterließ, das erfahrt ihr nur hier und jetzt auf ZeroZen.

DasBlatt

Aroma: Unglaublich frisch feucht Waldig / sehr scharf würzig und pilzig / ein guter Anteil an überreifem Obst / all dies steigend im späteren Verlauf ~

In dem Moment als sich der Zipp des Doypacks öffnet, offenbart sich ein solch dicht natürlicher Geruch, dessen Entfaltung aus feuchtem Waldboden mit Pilzen gesäumt sofort imaginäre Gedankenwelten freisetzt. Dabei spricht der durch frischen Regen an einem kühlen Herbstmorgen getränkte Boden aus feuchter Rinde / Rindenmulch vor allem von Steinpilzen und dem gemeinen Riesenschirmling (Parasol). Dabei erreicht einem die Frische nicht nur rein durch den imaginären kühl verregneten Morgen, sondern vor allem auch durch dicht intensiv balsamartige Schwaden in einem Gemisch aus frischer Pfefferminze und Eukalyptus. Dabei säumen von den Bäumen gefallene überreife mehlig grüne310201514439Äpfel und eine ebenso reif dezente Spur an Mandarinen den fortlaufenden Pfad. Subtil und ebenfalls sehr reif im Dickicht des Waldes verhangen, scheint ein Sammler des Tierreichs einige Weintrauben am Wegesrand hinterlassen zu haben. Im Gesamten erinnert jenes Abbild an Obst sehr an eine Kompost-Variante, aber ohne dem stechend gärenden Anteil im Aroma. Seine feuchte Lagerung spürt man somit sehr deutlich und kristallisiert sich auf eine solch genial vollzogene Weise heraus, wobei jeder Akzent perfekt komponiert seine Darbietung vollzieht.

Optisch steht alles unter sehr kompakter Ausgangssituation, welche aber schon ein Werk aus recht kleinen Bestandteilen vermuten lässt. Hierbei erkennt man noch am deutlichsten sein gewisses Alter und Lagerung, da der allgemeine Farbton in reichlich braunen Nuancen verankert scheint und nur hier und dar einige Ocker- oder rötlich braune Highlight preisgibt.

Gebadet und von mehr als einem Jahrzehnt an Staub befreit, erreicht der Menthol-lastige und waldige Part seinen aromatischen Höhepunkt. Dies darf man sich nie unangenehm vorstellen, sondern wahrlich als Geschenk von Mutter Natur, denn jeder der verregnete Waldwanderungen oder die Vorstellung3102015155543mitten im Regenwald zu stehen und der Kulisse zu lauschen, liebt, der wird von diesem Bouquet begeistert sein. Dabei wird es hier dank seiner erhöht erwachten Kräuterfront weit massiver im scharf würzigem Feld und umschmeichelt mit feuchtem Holz und herbstlichen Laub die Sinne für viele unzählige Regenergüsse.

Seinem feuchten Antlitz sieht man weit weniger das Alter an, als man es beim Trockenen zu erahnen gedachte, da seine Blätter noch einen sehr satten Grad an Grün, wenn auch olivfarben, aufweisen. Und dies geschieht großteils in jenem3102015155724Farbton, bis auf einige rotbraune Highlights hier und dar. Doch eines bewahrheitet sich, denn wie erahnt ist das Blattwerk von recht kleiner und vor allem zerrissener Montur.

dieAufgusse

Geschmack: Ungemein kräuterlich frisch Scharf mit Tendenz steigend / guten Spur an Fallobst / waldig feucht Holzig / massive Gemüsig und Pilzig / sehr intensiv und langlebig ~

Gongfu-Style: 90-95° / 7g auf 200ml / 20/30/40/50sec/1min

Im Grunde schon zu erahnen, erstreckt sich nun eine sehr kräuterliche Front mit einer unterschwellig Fallobst-süßen Struktur aus grün mehligen Äpfeln und einer subtilen Note an Weintrauben über den in gespannter Erwartung schwelgenden Gaumen. Auch hier lässt sich ein feiner Faden an dezent platzierter Mandarine ausfindig machen, während vor allem ein sehr frisch scharfer Charakter den ausschlaggebenden Ton angibt. Dieser erreicht solch eine sinnliche Art an3102015145451Schärfe, welche wortwörtlich den Rachen zum brennen bringt und diesem Umstand kaum Einhalt geboten werden kann – denn es pfeffert lange. Somit ist einem langen Nachspiel der Weg gesäumt und ergibt sich in seiner gekonnten Komposition ausgiebig auf Gaumen, Zunge und vor allem im Rauchen. Doch3102015145140würzig hin oder her, dass wahre Schauspiel findet im Wald und somit bei Mutter Natur statt, denn hier fährt dieser Tropfen erst so richtig seine Nuancenwand auf. Dabei kostet man so einiges an Wurzeligem a la Sellerieknollen und Petersilienwurzel, während die Achterbahn ohne Umwege sofort weitergeht3102015145813und man in schwindeligen Höhen an einem Hauch an Karotten vorbeirauscht, welche man sehr gezielt erkennen kann und vor allem an einer pilzigen Front deren Hauptakt klar und deutlich nun dem Reishii-Pilz gewidmet scheint. Am genüsslichen Boden der Tatsachen angelangt erreicht man erneut durch frischen Regen getränkten Waldboden gesäumt durch Kork und Baumrinde vorbei an310201515411feuchten Moosflächen bis man an einem Gemüsebeet Rast einlegt, bei dem es noch eine gute Portion an rotem Paprika und Brokkoli zu erspähen gibt. Somit hat die kräftige TCM Suppe ihren köstlichen Charakter erstmals offen gelegt und spielt dabei noch lange mit unseren Knospen ein würzig scharfes Nachspiel im Echo dieser Runde.

Nach und nach erfüllt seine dicht würzige Note den gesamten Raum, da diesem Pu ein wahrlich aussagekräftiger Charakter zu Grunde liegt, dessem Bouquet etwas Unvergesslich gewiss ist. Auch im nun zweiten Akt jener genüsslichen Wanderung der Sinne erstreckt sich sein Profil auf selbig intensiv gekonnt3102015154314komponiertem Niveau bzw. sogar etwas intensiver. Auch in den folgenden Runden, deren Anzahl in unendlichen Wiederholungen den Knospen die Sinne raubt, erscheint es, als würde jener Nektar immer kräftiger werden, während er lange und beharrlich an seinem Profil festzuhalten scheint. Vor allem dominiert3102015155018sein Gemüse-lastiger und würzig scharfer Charakter die kommenden Runden am ausschlaggebendsten, so wie auch im gesamten Szenario von Anfang bis zum weit entferntem Ende.

Fazit2.0

Dies ist wohl einer der unglaublichsten, kräftigsten, best ausbalanziertesten und beharrlichsten Pu’s den ich je erlebt habe. Sein kräftig massiver Körper, aber dennoch in einer solch eleganten Art komponierter Charakter ist einfach ein Traum sondergleichen. Bisher konnte mich zwar der ein oder andere Pu mehr oder weniger beeindrucken, aber dieser hier hat mein Herz zum ersten Mal wahrhaftig erobert, wenn es um diese Gattung Tee geht. Ein unvergessliches Erlebnis. Somit ist es umso schmerzhafter zu erfahren, dass dieser Kollege leider ausverkauft ist und auch andere Quellen ließen ihn nicht mehr ausfindig machen. Schade, denn dieser hätte ein Dauergast in meinem Teeschrank werden können. Dieser Tropfen hat einfach nur Gold verdient, Punktum. Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, möge ein guter Tee mit euch sein und bis zum nächsten Mal auf ZeroZen.

theupshot

In the last weeks and even in the last months I wasn’t so much into Pu’er I must admit I took a time off of it. But suddenly as I went through my tea shelf I got more and more back into the dark side of tea. Unfinished business called me and so I started to test some of my kept Pu storage. The good thing as you already know this stuff doesn’t get old and nasty – it gets old and even better. And in this case I traveled back in time for a bit into the year of 2002 – times where I was way younger and far away to even know that Pu’er is from China and not from Africa. True Story. But different time and more knowledge now – so just take a close look. Detail scan on.

There isn’t that much to be discovered when it comes to his pure presentation at first. It is a generous compressed part of a former whole cake and most of his coloration is based on a Autumn overall. So first of all a certain age is definitely noticeable as a smaller tea leave amount too. Here and there you might notice some ocker and reddish brown highlights. After the dust from more then a century went down the drain you definitely are going to experience his true full nature. But full isn’t right in any sense because the leaves are mostly broken and really in a small overall size but the coloration of those leaves aren’t that old looking now as did seems to be before. There isn’t much Highlight here and there anymore because most of his look talks in olive green tones.

But lets quit the jibby jabba about looks because what counts is the unfolding of sensual and tasting notes. And in those cases there is a lot going on and this in a very intense magnificent composed way. Opening the doypack means opening a gateway into a forest covered with fresh rain in an overall Autumn scenery. The earth here is wet and muddy covered with moss and rain soaked up bark mulch and mushrooms – like yellow boletuses and parasol. Fresh air and something cooling leads directly to another major aspect of this fellow – a very clear, sharp and spicy note of herbs like peppermint and eucalyptus. On your path through those dark, fresh and thick with endless trees covered woods you might notice a good amount on very ripe green starchy apples on the ground as also here and there subtle placed as ripe as his former part was – clementines and wine grapes. Talking about those fruits means also talking about compost because this is the way how ripe they are but imagine it without the acrid fermenting smell to it. Because of this whole presentation there isn’t a doubt about his wet storage – great complex and elegant composed play.

The intensity without a surprise is massively growing after this piece of art jumped into a couple of baths. Mainly the aspects of woody and herbal balm notes are gaining inside their strength and unfolding. There is such an intense imagination going on by just scenting this fellow. No matter where you are by smelling this Pu everyone is going to find himself into the middle of a rain forest covered in Autumn colors and covered with soaked up wood and foliage.

And what you smell may be the center of what you get now – not all but even more. Because there is a lot more than ripe fruitiness going on followed by an intense layer of herbal spicy aspect. And those spiciness turns out to be that massive that even after some time the sip was taken your throat still burns. Talking about fruits / about windfalls it is the same portrayal as before green starchy apples and subtle hints of wine grapes and clementines. And believe me the echo is long. But beside all those facts they weren’t even as complex as the rest was which might be the core of this ripe intense fellow. And there is a lot going on starting with a great fusion and supporting the spicy notes by celery root and parsley root. On this delicious roller coaster you definitely taste a clear hint of carrots on your way down again deep into the with mist covered rainy woods. And talking about something covered there is a lot of moss you might find beside a straight lead to reishii mushrooms and with water soaked up tree bark or cork. But there is still something left to be discovered inside this TCM soup like a final hint of broccoli and red paprika.

This is a very strong and long lasting Pu’er with an countless amount an steepings. This bouquet is just unforgettable and such a masterpiece of its own. From one round to the next his character is getting even stronger than the last one before. Always persistent, vegetable like and spicy until the end.

I have to say that I never completely felt in love with a pu’er before but this one changed my whole world when it comes to this certain type of tea. I met a lot of really good Pu’s in the past but in this case I really wanted him to stay. Sadly but true there might be no chance easily anymore because this fellow is sold out and I haven’t found another seller yet. But it seems that this very seller „Chenshi China Tee“ might get a 2003 in the near future but let’s see if that one will also turn out to be as special as this one was. Because 2002 is unforgettable and as gold as it could be. So I wish you a beautiful day and a great tea that suits your mood in every moment of your life.“

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