NaturaliTea Organic Setoya Midori

NaturaliTea Organic Setoya Midori (Fujieda, Shizuoka)
Menge: 100g
Shincha: Geerntet Mitte Mai 2013
Von: Yunomi.us

allgemeines

Irgendwie habe ich an der Familie Kinezuka einen Narren gefressen oder in diesem Fall besser gesagt „getrunken“. Denn wenn jemandem seine eigenen Ideale wichtiger sind, als die gegenwärtige Meinung, dann verdient das an Respekt. Und dem zolle ich dieser Familie auf jeden Fall. Toshiaki Kinezuka, ich hatte schon von ihm berichtet, hatte zu Anfangs einen schweren Start mit seiner Philosophie.

Denn mit dem Wirtschaftsboom, kam auch die chemische Industrialisierung in der Agrarwirtschaft. Somit gingen viele Farmer weg vom ursprünglichen und widmeten sich der Kommerzialisierung des Tees, aber nicht Herr Kinezuka. Durch seine querdenkerische Überzeugung, hielt er am biologischen Anbau fest, doch nicht ohne Folgen. Viele andere Farmer sahen dies zu Anfangs mit Argwohn und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass er zu Beginn seines Schaffens, wie ein Außenseiter behandelt und von anderen nur müde belächelt wurde. Doch sein Erfolg über die Jahre, bekehrte auch diese Meinungen und heute genießt Herr Kinezuka großes Ansehen und viele Farmer in seiner Umgebung folgten seinem Beispiel und schließen sich zusammen.

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Nun führte uns bisher ein prosaisch geschmackvoller Teeweg von den mit Nebel behangenen grünen Bergen, über offene weite Täler, zu Gärten voll frischer und delikater Früchte, vorbei an vor Düften und Aromen dampfender Restaurants, zu einer geselligen Zusammenkunft der Sinne bis hin zum Strand dessen feine Brise sich wie Samt um die eigene Haut schmiegte. Doch wo war die Magie? Im Grunde war sie immer allgegenwärtig. Grün Tee schafft etwas mystisches, magisches in seinem eigenen kleinen Kosmos zu kreieren, wenn man bereit ist es zu schmecken. Doch in diesem Fall, hält sich die Magie nicht bedeckt oder muss erst erkannt werden. Sie erscheint in voller Montur, als raffinierte Magierin, ohne jeden Zweifel.

Aus dem Sortiment von NaturliTea, durfte ich bisher von zwei Midoris kosten. Dabei war die feinere kleinere Schwester trotz ihrer behutsamen und erlesenen „per Hand“ auserwählten Natur, doch recht zurückhaltend und wollte nicht so Recht aus ihrem Blatt schlüpfen. Doch wie sieht es mit der großen Schwester aus. Setoya Midori ist wahrlich eine Meisterin ihrer Kunst und verführerisch zugleich. Wie ein Flaschengeist, schien sie darauf gewartet zu haben, endlich entdeckt, endlich befreit zu werden. Doch kam dieser neue Umstand der Freiheit zu unerwartet. Vielleicht hielt sie es noch für ein Trugbild, aber ihr erster Auftakt wurde ihrer Substanz nicht gerecht. Ausgetrocknet, ängstlich, kam ihr grünes Haar, ihre Nuancen, ihr gesamtes Bouquet daher. Diese Mauer aus Stroh und Heu, hielt sie fast gefangen. Aber nur fast.

trockenes

Als hätte sie sich gefangen und nicht nur das, erkannt, dass sie wirklich frei ist, prescht sie nun mit solch einem Nuancenfeuerwerk nach vorne, als müsste sie die verlorene Zeit in Windeseile aufholen. Dabei erkennt man viele Feinheiten im Blattwerk und „Feinheiten“ trifft es perfekt. Auch wenn der Heu-Charakter sich in dezenter Haltung zurückgezogen hat, ist der Anblick dennoch, als sehe man eine Vielzahl glänzender Nadeln, in Form von hellgelb pastellgrünlichen Stängeln Camera2-2013-07-12-09-39-09im sogenannten Heuhaufen. Dabei trifft man viel Feines in seiner Struktur an. So fein, dass jenes wahrlich auf der Tonteeschaufel haften bleibt, als wolle selbst diese nicht von Midori loslassen. Doch sie ist geschickt, verrät wenig von dem was noch kommen wird und spannt einem mit Absicht wahrlich auf die Folter. Hier und da, als würde nur ein kurzer Blick auf ein nacktes Schulterblatt gewährt, erhascht man nur eine Ahnung von den kommenden frischen Reizen, die sich dampfend in einem warmen Bad bald niederlassen werden.

feuchtes

Anstatt die Anspannung, die Neugier zu besänftigen, weiß Midori mit unserem Geruchsempfinden zu spielen. Unheimlich süß, frisch, zitronig mit einem Hauch metallischem umgarnt sie unsere Sinne. Wie unsichtbare Arme, schlingt sie ihre Camera2-2013-07-12-10-45-36dampfenden Wogen um uns und schleicht sich dabei in jede Pore ein und füllt diese mit einem unwiderstehlichen Bouquet an. Wie elektrisches Geäst, ziehen sich millionste kleine Verästelungen durch jeden einzelnen Nerv. Diese Midori macht keine halben Sachen, sie will alles oder nichts und das spürt man bis in die Wurzeln jeden einzelnen Zahns.

Erster

NaturaliTea Variante: 60-70° / keine Mengen Angabe / auf 1-2 Minuten
ZeroZen Variante:           55° /       10g bei 450ml        / auf 2:40 Minuten

Schon mit dem ersten strahlend hellgelben Tropfen, fühlt man sich wie unter der Hypnose eines spitzen Magiers, in diesem Fall einer Magierin. Dabei wehrt sie sich vehement ein Sencha zu sein. Denn schon zu Beginn spürt man die starke Tendenz eines Gyokuro-Charakters. Dies scheint ihre Bestimmung zu sein. Die Kraft die aus diesem Sencha hervorgeht ist sonderbar wunderbar, denn wie ein elektrischer Schwall umhüllt dieses deliziöse Bouquet die eigene Zunge, als würde sie sagen „Du gehörst nur mir ganz allein“. Dabei zieht sich dieser Camera2-2013-07-12-09-52-37spannungsgeladene, prickelnde, irrsinnige Geschmackswahnsinn in jede Faser unserer Wahrnehmung. Man hat förmlich das Gefühl unter Hochspannung zu stehen, während man mit sanften Händen umschmeichelt wird. Sie weiß zu betören, dabei hält sie sich strikt an die oberste Regel „Sei niemals bitter“. Dabei liebkost sie unheimlich süß jeden Geschmacksnerv den sie finden, den sie erreichen kann. Sie kredenzt uns ein Obststück nach dem anderen, aber mit bedacht. Somit erschließen sich Nuancen oft erst schon lange nach dem der Camera2-2013-07-12-09-50-52letzte Schluck getan ist. Dieser delikate Teller hält dabei alles was unser Herz begehrt bereit. Birnen mischen sich hierbei unter reife Äpfel, geschmackvoll süße Weintrauben reicht man uns mit der ein oder anderen leichten Nussnote, fesselt uns darauf hin mit dem Bouquet von Brombeeren, Johannisbeeren und einem leichten Hauch von Erdbeeren. Somit fordert sie uns heraus, jeden einzelnen Geschmacksnerv, aber belohnt auch jeden Einzelnen davon.

Zweiter

NaturaliTea Variante:                     keine Angaben
ZeroZen Variante:      67° / 10g bei 450ml / auf 20 Sekunden

Nicht mehr ganz so hitzig und elektrisch, beschert sie uns nun eine goldene Tasse. Gesetzter, ruhiger schmiegt sie sich mit jeder Nuance, von Birnen, Weintrauben und nun auch spürbarer Aprikosen, an jede Geschmacksknospe Camera2-2013-07-12-10-34-09heran. Dabei wird sie weder bitter, keinen Deut herb und vorallem verliert sie keinen Moment ihrer süßlichen Fassung. Vielmehr scheint sie sich nur noch mehr zu öffnen, da es ihr anscheinend mit uns gut ergeht und das über mindestens zwei weitere Aufgüsse hinaus.

Fazit

Dieser sehr ergiebige Sencha von NaturliTea (bei Yunomi.us) ist wahrlich eine Überraschung. Wo die kleine Schwester etwas enttäuschte, geht diese Midori über den Punkt eines „Wiedergutmachens“ weit darüber hinaus. Ihr starker Geschmack und das reichhaltige lang anhaltende Bouquet überzeugt noch über mehrere Aufgüsse hinweg. Dabei hält dieser Sencha so manch eine Überraschung parat. So lässt sich z.B. eine sehr interessante Nuancenentwicklung erkennen, wenn der Tee abkühlt. Dies geschah aus Zufall, da ich während des Schreibprozesses auf den Midori vergaß. Und der Geschmack war weder herb oder bitter, dafür schmeckte er unglaublich nach überreifen süßen Birnen oder besser gesagt, wie „Omas Birnen Kompott / eingelegte Birnen“. Sehr reif und tief im Geschmack, nimmt dieses kühle Bouquet gänzlich allen aromatischen Platz ein. Sehr interessant.

Eigentlich geht dieser Setoya Midori nur knapp, aus einem Grund, an einer „Golden Review“ vorbei. Wegen der Duftnote. Denn das trockene Blatt ist nicht so aufregend, wie der Rest, da dieses trotz Entfaltung, immer noch recht strohhaltig roch. Nicht schlecht, aber auch nicht aufregend. Aber dafür wird es im späteren Verlauf, dort worauf es ankommt, umso aufregender. Dieser Sencha ist mit knapp 11€ wahrlich ein Schnäppchen, in Anbetracht dieser Fülle an Aromen und Geschmack. Eine absolute Kaufempfehlung.

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