Sencha Kawane-Cha

Sencha Kawane-Cha (Kawane, Shizuoka)
Menge: 100g
Shincha: Frühjahr (First Flush)

allgemeines

Dieser Sencha entspringt einer ganzen Serie auch genannt „Shinryoku no Tsuyu“, was soviel wie „Tau des Frühlings“ bedeutet. Dabei umfasst diese Reihe ca. 6 Sorten die speziell aus den unterschiedlichsten Anbaugebieten Japans ausgesucht wurden, um uns auf eine kleine besondere Reise Camera2-2013-07-23-09-05-02der Frühjahrspflückungen zu schicken. Jeder dieser Schätze stellt seine eigene Geschichte, sein ganz individuelles Abenteuer dar, auf dem es so manches zu entdecken gibt. Wie tief man dabei graben muss, um auf Gold zu stoßen, dass lest ihr jetzt.

trockenes

Bei genauem Betrachten dieser länglichen wohlgeformten dunkelgrünen Nadeln, verfällt man fast schon in eine Art Hypnose, in der man sich in einem dichten, verwunschenen Wald wiederfindet. Mit jedem Schritt gelangt man dabei immer tiefer in dieses Gebilde aus dichtem langem Geäst. Als könne man sich dieser Welt nicht entziehen, ruft einem förmlich dieses starke Schokoladen-Bouquet zu sich, näher und immer näher. Dabei kommt man nur schwer voran,Camera2-2013-07-23-09-12-26da diese höchstwahrscheinlich per Hand gerollten langen Nadeln, wie Soldaten mit ihren wuchtigen Speeren, sich einem in den Weg stellen. Dabei will sich diese schokoladige Nuance nicht so recht festlegen, sondern fusioniert lieber in einem Gemisch aus Osterhasenmilchschokolade und dunkler Edelbitterschokolade. Und diese Mischung wurde meisterhaft in Szene gesetzt. Dabei dominiert diese starke süße Partnerschaft über jegliche weitere Möglichkeit an Nuancen und verfrachtet sich selbst damit in eine Monopolstellung dieses kleinen grünen Mikrokosmos.

feuchtes

Doch man wiegt sich in falschem Glauben, wenn man annimmt, dass ein heißes dampfendes Bad die Dichte und Stärke dieses Geästs auflockern würde. Vielmehr intensiviert sich durch diesen Vorgang nur mehr ein wahnsinnig geschmackvolles Bouquet. Dieses kommt mit so einer irrwitzigen Woge an Camera2-2013-07-23-10-40-27Geschmacksnuancen daher, dass einem das Wasser förmlich im Munde zusammenläuft. Wie durch Zauberhand wechselt in diesem Prozess der Flair von dem einst schokoladigen, in ein vollmundig nussiges Bouquet, welches bis ins Kleinste, satt und deftig von dampfenden Esskastanien durchzogen scheint.

Erster

Empfohlen laut Packung:  70° /   5g auf 450ml / auf 90 Sekunden
ZeroZen Variante:             70° / 11g bei 450ml /  auf 90 Sekunden

Man könnte beinahe mit Bestimmtheit vermuten, dass bei solch fast durchsichtig hellstgelben Tassen und einer wahrhaft klaren Konsistenz, einem auch jeglicher Geschmack offen und klar auf einem Tablett serviert wird. Doch auch wenn die Süße schon von Anfang an ruft, muss man hierbei tief graben. Im ersten Moment könnte man voreilig eine direkte Linie zum dampfenden Blattwerk ziehen, da der Geschmack dieser klaren Tassen, dessen einstigem Aroma sehr nahe kommen. Dabei entfaltet dieser Sencha erstmals einen leicht herben Charakter mit einer Tendenz leicht bitter zu sein, aber auf solch eine charmante Art und Weise, dass selbst wenn man nicht diesem Aroma verfallen ist, diesem warmen Genussmoment nicht widerstehen kann.

Camera2-2013-07-23-09-49-22

Ein nussiges Bouquet besticht hierbei viel mehr das Gesamtbild und begleitet eine allumfassende tiefe Süße bei unserer Reise zu dem Kern dieses grünen Bades. Und Kern trifft es auch in einem anderen Bezug sehr vortrefflich, da eine wichtige geschmackliche Komponente dieses Bouquets, wie jene von hellen Weintrauben schmeckt. Hierbei erschließt sich der genüssliche Vorgang im Rückwärtsgang, wo der Kern zuerst kommt und dann erst die Weintraube selbst.Camera2-2013-07-23-09-39-43Wo der süße Kern die Mitte bzw. den Boden der Kanne darstellt, der Nussfaktor der Stützpfeiler ist, ist der dampfende Esskastanien-Geschmack der Balken selbst, der über Allem steht. Doch neben all dieser Dominanz, sind auch feine Nuancen zu entdecken. Hierbei findet sich auch ein leichter Ansatz der schon fast in Vergessenheit geratenen Schokolade wieder, die Einst so präsent war.

Zweiter

Empfohlen laut Packung:                    keine Angabe
ZeroZen Variante:             80° / 11g bei 450ml / auf 20 Sekunden

Nun bleibt immer noch die Frage offen „Was ist mit dem süßen Kern?“. Wie gesagt, muss man hierfür lange und tief graben, um genau zu entdecken um welchen Charakter sich diese Süße im Geschmack dreht. Dabei durchzieht ein feiner blumiger Faden diesen Abschnitt unserer Reise und führt einem immer näher zu der Antwort, die man schon so lange sucht. Bevor sich einem die geheime Tür zum finalen Abschnitt eröffnet, wird man von einem süßen Gast Camera2-2013-07-23-10-04-12begrüßt, der uns ebenfalls zuvor verborgen blieb und stellt sich erstmals als die rote Bohnenpaste vor. Nun erschließt sich langsam, aber doch, wer hinter dieser allgegenwärtigen schweren Süße steckte. Doch der Drahtzieher, der Kern war wahrlich schwer ausfindig zu machen. Tief im Kern dieses Senchas, verborgen unter all dem einst so dichten grünen Nadelwald, gefolgt von starken deftigen Nuancen, eröffnet sich ein Himbeer-Charakter unseren Geschmacksknospen.

Fazit

Dieser Sencha fordert einen schon ab dem öffnen der Packung heraus. Denn hier wird einem nichts geschenkt, außer vielleicht der Sencha selbst. Aber für jede Nuance, jeden geschmacklichen Höhepunkt, muss man mal mehr, mal etwas weniger tief graben. Vielleicht wird sich der ein oder andere nun denken „Das klingt nach viel Arbeit“. Ich nenne es lieber Training. Denn umso mehr wir unseren Gaumen schulen, desto mehr ist er bereit uns schmecken zu lassen. Die meisten Lebensmitteln sind heut zu Tage so überladen mit Geschmacksstoffen, dass wir komplett überreizt sind. Wenn dann ein Naturprodukt diese Knospen erstmals trifft, ist man zunächst verwundert, da uns der Geschmack oft zu Milde erscheint. Sicherlich kann ein Tee auch einfach nur schwach in seinem Bouquet sein, aber bei diesem Kollegen ist das nicht der Fall.

Hier ist ein Detektiv gefragt und es macht Spaß, all die Rätseln zu dechiffrieren. Aber auf ein paar Dinge muss man bei diesem Kawane-Cha achten. Man sollte ihn weit mehr dosieren, als angegeben ist. Mit 5g auf 450ml wird man kaum den Unterschied zu purem Wasser merken, etwas übertrieben ausgedrückt. Daher kann man die Dosis sogar verdreifachen. Temperaturen und Ziehzeiten, kann man ohne Weiteres so beibehalten. Trotzdem ist dieser Sencha keine Duracell-Batterie und bleibt daher nur zeitgleich mit dem jeweiligen Schluck erhalten und verblasst danach relativ schnell wieder. Auch die Komponenten sind hierbei sehr interessant, da sich einem zuerst eine Schicht Herbe mit leichtem Hang zum Bitterfaktor erschließt und erst im Kern die Süße sich präsentiert. Für Schatzsucher und Detektive eine sehr gute Gelegenheit den eigenen Gaumen zu schulen. Aber im Preis muss man ihm schlussendlich seine Punkte entziehen, denn trotz aller detektivischer Freuden, ist die geschmackvolle Langlebigkeit nicht gegeben und somit mit 28€ doch recht hoch im Kurs.

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