Hoshino Dento Hon-Gyokuro

Hoshino Dento Hon-Gyokuro (Hoshino, Fukuoka)
Menge: 50g

allgemeines

Glühwürmchen, auch genannt „Hotaru“ geraten selbst in Japan immer mehr zur Seltenheit. Doch in manchen Regionen, wie auch in Hoshino, bekommt man sie sehr häufig zu Gesicht. Das dies als wahrhaft gutes Zeichen zu verbuchen ist, kann man der hiesigen Natur verdanken, die mit einem der besten und reinsten Wasservorkommen gespeist ist, die es in Japan gibt. Hoshino was soviel wie „Sternenfeld“ bedeutet, pflegt seine Teekultur schon seit knapp 800 Jahren und legt besonders Wert auf seine Traditionen, was den eigenst angebautenCamera2-2013-07-29-09-50-41Gyokuro anbelangt. Herbei wird nach dem flüssigen Verzehr, dass nasse Blatt mit einer Mischung aus Sojasoße und Essig überträufelt, um es anschließend zu verzehren. Somit nimmt man buchstäblich alles was das Blatt zu bieten hat inCamera2-2013-07-26-10-54-53sich auf. Ob der fein säuerliche Abgang, nur im Verzehr sein zu Hause inne hat oder dies auch im aufbrühenden Zustand zu spüren ist und ob Hoshinos klarer Sternenhimmel wirklich den Weg zu mildem und süßem Geschmack vorher prophezeit, dass erfahrt ihr jetzt.

trockenes

In dem Moment wo das Nadelwerk wie feinste Bäumstämme in Miniaturausführung, in die eigene Dose rieselt, fällt einem unweigerlich dieser doch recht untypische Gyokuro-Touch auf, den dieses sehr ansehnliche Blatt zu verzeichnen hat. Nun kamen mir schon viele Sorten unter die Nase, auf dem Weg zur absoluten Gaumenfreude, sogar einige Sencha waren dabei, derenCamera2-2013-07-29-09-09-20Charakter sehr nach Gyokuro schrien und sie hatten alle etwas gemein „Sie waren unglaublich frisch, süß und voll frühlingshaftem Charakter“. Doch Hoshino scheint zumindestens mit diesem Vertreter eine andere Richtung einschlagen zu wollen. Wo der eine Sencha ein Gyokuro sein wollte, will dieser Gyokuro anscheinend ein Sencha sein, mit einer recht stark tiefenbedampften grün-grasigen Nuance. Diese teilt sich das Bett mit einem tiefen satten süßen Bouquet, dass sehr stark an Zuckermelone dekoriert mit Beeren-Fruchtgummis erinnert. Dabei bettet sich all dies Gewirr auf strohhaltigem Fundament. Visuell stechen, fast wie deren Halme, diese feinen wahrlich langen dunkelgrünen Nadeln einem förmlich ins Auge und präsentieren sich in einem Gemisch aus gewollten Gerolltem und brüchigem feinen Blattwerk.

feuchtes

Mit dem dampfenden Bad aus dem sich dieser Gyokuro mit einer deftigen Woge aus satten grünen Düften erhebt, flüchtet das anfängliche süße Bouquet förmlich in weite Ferne und fast als wäre es verschreckt vor all dem Ansturm an Deftigem, überlässt es nun jenen den Platz. Dabei gesellen sich klar platzierteCamera2-2013-07-30-12-50-44Salatgurken, zu einer genüsslichen Salatgarnitur aus knackigen Eisbergsalatblättern, welche mit frischem saftigen Schwarzbrot kredenzt werden. Ein allumschwirrendes deftiges „Umami“ durchzieht jeden Winkel dieser genussvollen Geschmackswelt und reicht uns sogar einen Teller mit dampfenden „Edamame“.

Erster

Empfohlen laut Verpackung:  60° / 20g auf 150ml / auf 120 Sekunden
ZeroZen Variante:                  60° /   5g auf 150ml / auf 100 Sekunden

Wartend und mit einer deftigen geschmackvollen Mahlzeit im Geiste versunken, benetzt dieser erste Tropfen dieses trüben, aber strahlend hellgrünen Nass unsere hungrigen Lippen und versetzt anschließend unseren Gaumen höchst delikat in hellste Freude. Dabei durchwandert eine starke fein säuerliche Adstringenz jeden Winkel, an dem sie einen unserer Geschmacksnerven aktivieren kann und lässt dabei förmlich das Wasser im Munde vor Wallung fast übergehen. Wie schon imCamera2-2013-07-30-13-21-36dampfenden Blatt, ermöglicht der deftige Charakter nur bedingt dem Süßen an Platz und überlässt diesem nur das Schlusslicht, welches aber wahrlich lange brennt. Dabei stellen sich diesem erst satte Noten von Edamame und abermals frischem saftigem Schwarzbrot entgegen. Doch schon im nächsten Zug der selben Runde, gelangt unser Gaumen endlich in den süßen Genuss, der sich Camera2-2013-07-30-13-36-43in vielseitiger Weise darstellt. Dominierend sind hierbei die Charakteristika von Weintrauben und Birnen, besser gesagt dem asiatischen Pendant dazu, die „Nashibirne“. Dabei gesellt sich eine gänzlich neue Welle an Nuancen zu diesem Bouquet hinzu. Litschis leicht im Raum schwebend, verketten sich mit einem geschmackvollem Gespinst aus leichtem Hang von Kirschkernen mitCamera2-2013-07-30-13-56-49dezent besetztem Fruchfleischanteil, eingepackt in getrockneten Algen und garniert auf einem Bett aus leicht zarten Nuss-Nuancen. Dabei hallt besonders ein Nachklang aus Weintraubenkernen noch lange hinterher und lässt einem nicht so schnell aus dessen Fängen.

Zweiter

Empfohlen laut Verpackung:  60° / 20g auf 150ml / auf 30 Sekunden
ZeroZen Variante:                  60° /   5g auf 150ml / auf 30 Sekunden

Cremiger mit einem seidenen Gefühl, benetzt dieser olivgrüne Tropfen im zweiten Auftakt unsere Sinne. Dabei ist der Nachklang, nun der Vorrang und beginnt dieses geschmackvolle Spiel mit Weintraubenkernen, leicht herb und süß zugleich. Generell entschwindet mit jedem Schluck mehr und mehr das Gefühl einem Tee zu unterliegen, sondern viel mehr einem satten deftigen Gericht verfallen zu sein. Dieses breitet seine genussvollen Arme weit nach uns aus, dass sich dessen duftende Schwaden in jede Windung unserer Wahrnehmung ziehen.Camera2-2013-07-30-13-57-17Der Ansatz von Algen, lies schon im ersten Gang darauf schließen, auf was dieses gehaltvolle Dinner in seiner nächster Runde abzielen könnte. Dieses präsentiert sich nun in Form eines feinen, dezenten Fischgerichtes, welches aber in keinem Moment einem fischigen Charakter verfällt. Somit schließt dieser Aufguss auch gezielt mit dem süßen Bouquet ab und gestattet diesem nur noch als Erinnerung zu bestehen, wenn der Tee schon längst getrunken und dieCamera2-2013-07-30-14-03-26Tassen zum trocken aufgestellt sind. Sehr Grün, wie das Tief dieser trüben Tassen, schwingt nun diese bekömmliche Schaukel zwischen frischen Kräutern alla Basilikum vermengt mit Pinienkernen auf und ab und wirft uns immer wieder ein Blatt saftigen Spinats zu.

Fazit

Eines vorweg: Diese empfohlene Zubereitung entzieht sich mir jeglicher Vernunft und geschmacklichem Empfinden. Mir riet man nur soviel Gyokuro in die Kanne zu geben, bis der Boden gut bedeckt erscheint. Doch bevor ich diesem Rat folgte, nahm ich mir die allgemeine Beschreibung zu Herzen, welche aber schlussendlich nicht trinkbar war. Man kann es sich ungefähr so vorstellen, als würde man einen Becher der nur 150ml umfasst mit Wasser füllen und dazu eine ganze Packung mit Maggie-Suppenwürfeln beifügen (ca. 8 Würfel). Ich würde es nicht weiter empfehlen. Selbst bei 10g auf die gleiche Menge an Wasser ist der Geschmack wahrlich zu intensiv und lässt einen wahren Genuss kaum zu. Ich empfehle 5-6g auf 150ml, damit fährt man doch am Besten.

Was recht interessant war, ist die Tatsache, dass dieser Gyokuro einen leichten Anflug eines Fischgerichts versprühte. Dies bei einem Grün Tee zu entdecken, war mir zuvor nur einmal aufgefallen. Doch erst vor einer Woche erfuhr ich, dass das Meer nicht immer weit vom Blatt entfernt scheint, als gedacht. Einfach erklärt: Um das Umami im Gyokuro zu steigern, sind die Farmer auf eine Idee gekommen, einen Dünger natürlich herzustellen, der langfristig fördernd für das spätere Aroma des Gyokuro ist. „Heringe“. Richtig gehört. Seit einiger Zeit werden anscheinend Heringe getrocknet, zermahlen und unter die Wurzeln der Grün Tee Pflanzen gemischt. Also, falls ihr denkt ein bekömmlicher Fischcharakter durchzieht euren Tee, dann hat das am Ende einen wahren Hintergrund zu verbuchen.

Auch wenn dieser Gyokuro doch „Anders“ war, als man es normal von einem Gyokuro gewohnt ist, macht genau dieser eigene Charakter seine Stärke aus. Ein weiterer Höhepunkt dieses delikaten Gerichts in flüssiger Form, ist seine Langlebigkeit. Nicht nur das sein Aroma noch lange nach dem letzten Schluck am Gaumen nachhallt, ist sein Wiederverwendungswert hoch einzustufen. Mit der angegebenen Menge lassen sich locker an die 5-6 Aufgüsse vollziehen, ohne einen Geschmacksverlust verbuchen zu müssen. Dennoch muss ich sagen, dass es für mich persönlich kein Gyokuro wäre, denn ich mir ein zweites Mal zulegen würde, denn dafür ist er mir zu einfach gestrickt. Das mag seltsam erscheinen, wenn man den Fischcharakter miteinbezieht, aber abgesehen davon, vermisse ich diesen „besonderen Touch“. Falls jemand neu auf dem Gebiet ist und gerade davor steht seinen ersten Gyokuro zu testen, würde ich eher zu einem wie dem z.B. „Premium Gyokuro von Aiya“ raten, dieser ist auch mit knapp 24€ um einiges günstiger und schmeckt wirklich unheimlich gut.

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4 Gedanken zu „Hoshino Dento Hon-Gyokuro

  1. Wahrer Gyokuro Geschmack- und Genuss, kommt nur bei klassisch hoher Dosierung, also 10Gramm auf ca. 80ml auf.
    War das nicht der Wettbewerbs Gyokuro? Da muss ich sagen, bricht’s mir fast das Herz dass Du diesen so schwach dosierst! ^^
    Auch wenn es nicht Dein Geschmack ist, ich kann nur raten, es auch höher dosiert zu versuchen. Ansonsten erschließt sich einem nie das typische Geschmacksbild dieser außergewöhnlichen Tee Spezialität.

    • Wie ich schon im „Fazit“ geschrieben habe, habe ich sehr wohl zuerst eine hochdosierte Variante verwendet, bevor ich die empfohlene Version genommen habe. Es waren ca. 12g auf die 150ml. Aber diese Menge ist einfach nicht ratsam, da es nicht nur dem Wasser immens an Platz raubt, das man am Ende nicht einmal ein kleines Schälchen voll befüllen kann, da sich der Gyokuro, dank der Menge so sehr ansaugt.

      Es schmeckt schlichtweg nur nach viel zu intensiven Brühwürfel Aufguss, bei dem ca. 3/4 Brühwürfel sind und nur 1/4 Wasser. Jeder hat einen anderen Geschmack, aber diese Methode entzieht sich mir jeglicher Logik. Und gerade diese Methode, würde mir bei so einem kostbaren Tropfen (auch wenn dieser noch nicht der Shuppin ist, das ist erst der Nächste), das Herz brechen. Da bei seiner geringen Menge, es fast schon an Verschwendung grenzt, besonders wenn das Endresultat nicht wirklich trinkbar ist.

      Selbst Japaner die ich kenne und mit Tee sehr viel am Hut haben bzw selbst davon Leben, machten nur große Augen, als sie von diesen Mengen, auf diesen geringen Anteil an Wasser hörten.

      Von ihnen bekam ich dann den Tipp, nur soviel zu benutzen, dass der Boden der kleinen Kanne gut bedeckt ist. Nicht mehr und nicht weniger. Und dieser Tipp war wahrlich Gold Wert. Aber jedem wie er mag 😉

  2. Bei der klassischen Zubereitungsmethode von Gyokuro, ist eine äußerst geringe Ausbeute an aufgebrühtem Tee absolut normal und nichts außergewöhnliches. Es ist quasi eine Art Teekonzentrat, welches ein unglaublich dichtes und schweres Netz an Aromen darlegt, welches sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber das Ganze dann ausschließlich auf Brühwürfel zu reduzieren, finde ich übertrieben.

    Und gerade weil jeder einzelne Geschmack anders empfindet, wäre, imho, ein Hinweis darauf es auch einmal mit der klassischen Methode zu versuchen, angebracht.
    Das Argument bezüglich der Japaner die nur den Kopf schütteln, erschließt sich mir in keiner Weise!

    Verschwendung ist es in meinen Augen, durch eine zu geringe Dosierung, den Tee seines eigentlichen Charakters fast komplett zu berauben!

    • Aber das ist eben deine Ansicht und das ist auch gut so ;). In diesem Blog teile ich eben meine Erfahrungen, die ich nach langem Testen und Probieren gesammelt habe. Ich weise auch stets daraufhin, wie die eigentliche Zubereitung (laut „Leitfaden) geht und welche Erfahrungen ich damit machen konnte und teile dann meine subjektive Meinung darüber mit den Lesern dieses Blogs. Manchmal kommen meine Erfahrungen recht gut mit der allgemeinen Methode überein, manchmal sogar ganz genau und in manchen Fällen eben nicht. Vielleicht empfindest du es anders, dann ist es auch gut so, denn würden wir Alle alles gleich wahrnehmen, wäre die Welt auch ganz schön langweilig.

      Mir, meiner Frau und auch ein paar anderen Leuten, war eben der Vergleich beim Testen mit Maggie Würfeln – Brühwürfeln genau treffend. Muss auf dich nicht zutreffen, aber auf mich und ein paar weitere Leute traf es zu 😉

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